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Die Bienen

von Engelbert Absmanner

Bienen gibt es schon vor Menschengedenken. In unserer Ortschaft hat jeder Bauer Bienen gehabt. Entweder im Wildbau oder im Strohfass. Das war ein großer aus Stroh geflochtener Hut und unterbei war ein Holzkasten, das war die Brutstation. Auf dieser ist der Bienenkorb draufgestanden. Wenn alles gepasst hat, war es im März zum „Impbrechen“. Das heißt man hat die von den Bienen selbstgemachten Waben herausgeschnitten und erwärmt, damit sich der Honig herausgelöst hat. Auch Honigmet hat man daraus gemacht, das ist etwas ganz Besonderes.

Während des ersten Weltkrieges waren in unserem Dorf zwei Russen. Der Zaglauer hat immer erzählt, dass der eine Quatember und der andere Pedro geheißen hat. Die haben wirklich etwas von der Bienenzucht verstanden. Sie waren die ersten, die uns den Bau eines dreiteiligen Holzkastens gezeigt haben. Dazu haben sie kleine Rahmen gemacht, die sogar noch da sind.

Der Vater war damals auch schon 14 Jahre alt und er hat erzählt, dass die Russen so gearbeitet haben, als wäre das ihr eigener Hof. Der Großvater war ja in dieser Zeit nicht da, weil er in den Krieg einrücken musste. Die konnten mit der Sense solche Getreidehaufen mähen, dass zwei Leute hinterhergehen mussten, um es aufzuheben. Die Weißrussen sind sehr kräftig. Sie waren auch sehr christlich. Die Christen wurden nach dem ersten Weltkrieg in Russland alle verfolgt.

Der Vater hat immer so um die acht Bienenvölker gehabt und der Zaglauer um die 20 Völker. Dieser hatte auch schon bald eine Honigschleuder, die sich der Vater öfter ausgeborgt hat.

Bauernfamilie auf einer Wiese, zwischen Bäumen im Hintergrund eine Bienenhütte
Familie Absmanner vor dem Bienenhaus (1940)

Damals gab es noch nicht die gefürchtete Milbe, die heute in kürzester Zeit ganze Bienenvölker ausrotten kann. Ein Bienenvolk hat dreißig- bis sechzigtausend Bienen. Die Milbe macht keine Winterpause. Sie legt ihre Eier bereits in die Bienenbrut hinein, von der sich die Larven ernähren. So kommen die Bienen, wenn sie schlüpfen, schon geschädigt heraus und sind nicht mehr überlebensfähig. Die Tausend, die überleben, sind viel zu wenig.

Die Obstbauern tun alles, damit die Bienen überleben und ihre Blüten bestäuben können. Ohne Bienen gäbe es weit nicht so viel Obst. Und der Honig, den die Bienen nach Hause bringen ist nicht wegzudenken und könnte durch nichts anderes ersetzt werden. Er ist Sonnenkraft pur und zusammen mit der Kraft der Blüten ergibt er eines der kostbarsten Heilmittel, die wir haben.

Wie der Vater am 2. September 1968 gestorben ist, habe ich noch nicht viel mit den Bienen getan. Der Vater war schon längere Zeit kränklich, deshalb war der Honig zu diesem bereits späten Zeitpunkt noch nicht geschleudert. In der Landwirtschaftsschule in Oberalm haben wir zwar jede Woche eine Stunde zu den Bienen gehabt, aber da habe ich nicht so viel mitgenommen. Der Schosch (Georg Wallner) war ein erfahrener Bienenzüchter. Er hat mir viel gezeigt.

Das muss ich auch sagen: damals hat es eine kleinere schwarze Biene gegeben und die war wirklich böse. Wenn du da in die Nähe gekommen bist, sind sie dir schon nachgeflogen. Da bekommst du einen Respekt davor. Das jetzige Volk ist auf kein Haus mehr so kämpferisch, da kann man ohne Schutz auch ganz nahe ran gehen. Aber vielleicht sind sie deshalb auch nicht mehr so robust. Es heißt: „Früher hat der Imker die Bienen gebraucht und heute braucht die Biene den Imker.“ Weil eben die Milbe so überhand nimmt. Heute kann die Biene ohne den Menschen nicht mehr überleben.

Als wir unsere Bienenhütte wegen dem neuen Stall abreißen mussten, haben wir die Bienen in den Wald in eine fahrbare Hütte gebracht. Der Andreas hat mir beim Tragen der Bienenstöcke geholfen, doch irgendwie sind sie herausgekommen und haufenweise auf unseren Füßen gekrabbelt. Den Andreas haben mindestens zwanzig Bienen gestochen, aber er war auch unverwüstlich.

Einmal wollte ich schnell neue Waben nachhängen, ich hatte nur die Kappe auf, da haben mich auch viele gestochen. Die Bienen spüren, wenn das Wetter nicht so schön wird und wenn sie ihr Programm nicht durchführen können, werden sie um so zwiedriger.

Die Palmkätzchen, die Haselnuss und die Erle sind die erste Bienenweide. Dort finden sie nicht nur Nahrung, sondern auch Material zum Bauen. Dann kommen die ersten Obstblüten und der Löwenzahn, aber ansonsten gibt es leider nicht mehr viele Wiesenblüten. Der Weißklee war auch ein sehr guter Honiglieferant, aber den gibt es auch nicht mehr viel.

Wenn etwas besonders geblüht hat, dann hat mein Schwager Gregor an einem Tag bis zu drei Kilo mehr Honig gehabt. Das Bienenzüchten ist lange schon seine Leidenschaft. Der Bienenvater muss das ganze Jahr fleißig sein, damit er einen Honig ernten kann.

Wie der Vater am 2. September 1968 gestorben ist, habe ich noch nicht viel mit den Bienen getan. Der Vater war schon längere Zeit kränklich, deshalb war der Honig zu diesem bereits späten Zeitpunkt noch nicht geschleudert. In der Landwirtschaftsschule in Oberalm haben wir zwar jede Woche eine Stunde zu den Bienen gehabt, aber da habe ich nicht so viel mitgenommen. Der Schosch (Georg Wallner) war ein erfahrener Bienenzüchter. Er hat mir viel gezeigt.

Das muss ich auch sagen: damals hat es eine kleinere schwarze Biene gegeben und die war wirklich böse. Wenn du da in die Nähe gekommen bist, sind sie dir schon nachgeflogen. Da bekommst du einen Respekt davor. Das jetzige Volk ist auf kein Haus mehr so kämpferisch, da kann man ohne Schutz auch ganz nahe ran gehen. Aber vielleicht sind sie deshalb auch nicht mehr so robust. Es heißt: „Früher hat der Imker die Bienen gebraucht und heute braucht die Biene den Imker.“ Weil eben die Milbe so überhand nimmt. Heute kann die Biene ohne den Menschen nicht mehr überleben.

Als wir unsere Bienenhütte wegen dem neuen Stall abreißen mussten, haben wir die Bienen in den Wald in eine fahrbare Hütte gebracht. Der Andreas hat mir beim Tragen der Bienenstöcke geholfen, doch irgendwie sind sie herausgekommen und haufenweise auf unseren Füßen gekrabbelt. Den Andreas haben mindestens zwanzig Bienen gestochen, aber er war auch unverwüstlich.

Einmal wollte ich schnell neue Waben nachhängen, ich hatte nur die Kappe auf, da haben mich auch viele gestochen. Die Bienen spüren, wenn das Wetter nicht so schön wird und wenn sie ihr Programm nicht durchführen können, werden sie um so zwiedriger.

Die Palmkätzchen, die Haselnuss und die Erle sind die erste Bienenweide. Dort finden sie nicht nur Nahrung, sondern auch Material zum Bauen. Dann kommen die ersten Obstblüten und der Löwenzahn, aber ansonsten gibt es leider nicht mehr viele Wiesenblüten. Der Weißklee war auch ein sehr guter Honiglieferant, aber den gibt es auch nicht mehr viel.

Wenn etwas besonders geblüht hat, dann hat mein Schwager Gregor an einem Tag bis zu drei Kilo mehr Honig gehabt. Das Bienenzüchten ist lange schon seine Leidenschaft. Der Bienenvater muss das ganze Jahr fleißig sein, damit er einen Honig ernten kann.

Buchcover
Informationen zum Artikel:

Die Bienen

Verfasst von Engelbert Absmanner

Auf MSG publiziert im Mai 2009

In: Fleckerlteppich der Erinnerungen, Erinnerungsbücher, Worte der Kindheit

Der Beitrag wurde folgenden Regionen und Zeiträumen zugewiesen:
  • Ort: Salzburg, Flachgau, Kemating, Göming
  • Zeit: 1915 bis 1980

Anmerkungen

Anna Lettner hat die Erzählungen ihres Vaters Engelbert Absmanner schriftlich festgehalten und in Buchform herausgegeben.

Der Textbeitrag ist diesem Erinnerungsbuch mit dem Titel "Ich kann mich noch so gut erinnern" (2009), S. 136 ff.,  entnommen.

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