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Küniglberg freigegeben!

von Helmut Krcal

Zum Thema „An den Rändern der Stadt“ ist mir sofort der Küniglberg eingefallen, denn das war für uns Buben, die in der Umgebung des Meidlinger Marktes aufwuchsen, der Abenteuerspielplatz schlechthin.

Als ich mich dann mit der Thematik eingehender befasste, tauchte die Frage auf: Woher kommt eigentlich die Bezeichnung „Küniglberg“? Denn im Dialekt war es der „Kiniglberg“, und im Dialekt gab es auch eine sprichwörtliche Redewendung für großen Nachwuchs, nämlich „die züchten wie die Kiniglhasen“. Hatte der Küniglberg daher seinen Namen von einer früheren großen Hasenpopulation?

Bei einigen Recherchen im Internet stieß ich auf ein Grafengeschlecht; die waren aber nur in Tirol und in Graz anzutreffen.

Nach Durchforsten etlicher Seiten dann der entscheidende Hinweis: Der Küniglberg hat seinen Namen von einer Person, wobei es darüber zwei unterschiedliche Auffassungen gibt. Einerseits wird der kaiserliche Prokurator Wolfgang Künigl als Namensgeber gesehen, andererseits könnte auch der Freiherr von Künigl, der sich ein Landhaus am Küniglberg errichtet hatte, als namensgebende Persönlichkeit gedient haben.

etwas dreijäriges Kind mit nacktem Oberkörper beim Spielen mit Kübel und Schaufel

Nun zum Küniglberg selber. Wie schon eingangs erwähnt, wuchs ich gleich neben dem Meidlinger-Markt auf. In dieser Gegend hatten wir zwar auch noch Möglichkeiten zum Herumtollen – an drei Straßenecken standen die Reste zerbombter Häuser, wo wir uns herumtrieben und spielten –, aber das war von der Weite her natürlich begrenzt.

Kindheitsporträt des Autors mit ca. 8 Jahren

Daher war der Küniglberg die interessantere Alternative und – zuerst zu Fuß, später mit dem Rad – leicht zu erreichen. Heute steht dort ein riesiger Bau von öffentlichem Interesse: das ORF-Zentrum am Küniglberg.

Das Datum kann ich selbst nicht mehr so genau nachvollziehen, aber die Web-Site der Stadt Wien hilft mir da weiter:

„6.5.1955: Der Küniglberg freigegeben! Heute hat das britische Besatzungselement die 19.170 Quadratmeter große Rollbahn auf dem Küniglberg in Hietzing an Beamte der österreichischen Verwaltung zurückgegeben. Somit ist das ganze Gebiet des Küniglberges von der britischen Besatzungsmacht geräumt. Die Übernahme wurde von Vertretern des Wiener Magistrates durchgeführt.“

Zu diesem Zeitpunkt war ich 13-einhalb Jahre alt. Demnach dürfte bis dahin nur der militärisch genutzte Teil abgesperrt gewesen sein, denn ich glaube mich zu erinnern, dass wir schon als Neunjährige mit der Großmutter eines Freundes dorthin spaziert sind. Nach der Rückgabe durch die Briten war dies für uns Kinder und Jugendliche auf jeden Fall ein Eldorado, in dem wir uns gerne herumtrieben.

Ich erinnere mich noch an die metallene Rollbahn, auf der früher Flieger gestartet und gelandet sind, ebenso an die Zugänge zu den Bunkern, die für uns Kinder eine magische Anziehungskraft hatten. Zu Beginn waren, glaub ich, einige Zugänge noch nicht zugeschüttet, aber es war verboten, dort hineinzugehen. Das alles regte natürlich unsere kindliche Phantasie mächtig an. Was war da hinter den Eingängen zu den Bunkern?

Autor an sein Fahrrad gelehnt auf einer großen freien Wiesenfläche, im Hintergrund Wald
Helmut Krcal auf der Sophienalpe am Stadtrand Wiens (Mai 1956)

Mit unseren Fahrrädern sind wir auch noch (in Moto-Cross-Manier) durch die Waldwege gefahren. Damals war dieser Wald natürlich noch nicht als Naherholungsgebiet ausgewiesen, wie es heute der Fall ist. Fahrradfahren in unwegsamen Gebieten war für Kinder auch damals „in“, auch ohne sogenannter Mountain-Bikes.

In den kegelförmigen Bombentrichtern entlang der Triesterstraße im Kreise herumfahren war ein schönes Vergnügen nach der Schule, und danach zum Abkühlen in den noch bestehenden Ziegelteichen schwimmen – Herz was willst du mehr?

Informationen zum Artikel:

Küniglberg freigegeben!

Verfasst von Helmut Krcal

Auf MSG publiziert im November 2009

In: Fleckerlteppich der Erinnerungen, Schreibaufrufe, Orte der Kindheit

Der Beitrag wurde folgenden Regionen und Zeiträumen zugewiesen:
  • Ort: Wien, 13. Bezirk, Küniglberg
  • Zeit: 1950er Jahre

Anmerkungen

Dieser Erinnerungstext entstand im Herbst 2008 in Zusammenhang mit einem Gesprächskreis unter dem Motto "An den Rändern der Stadt" im Wien Museum Karlsplatz.

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