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Weiberhatz

von Anton Pillgruber

„A Gaude“ war es allemal, einen verliebten jungen Burschen sein Dirndl auszuspannen. Die Gelegenheit dazu ergab sich auf den Tanzböden. Der brachte seine Angebetete zur Tanzunterhaltung. Es war damals üblich, während des Tanzes das Dirndl auszudrehen. Man ging einfach auf die Tanzfläche fasste die Maid an der Hand und drehte sie dem Tänzer einfach weg. Das war damals Gepflogenheit. Man munkelte schon, wenn ein Madl nie von einem anderen geholt wurde.

Es gab aber auch ein Gegenteil, das war diese. Wenn eine Tänzerin zu oft ausgedreht wurde, und zwar immer nur dann, wenn sie mit ihrem eigenen Partner zum Tanzen kam. Das war hinterfotzig und verschlagen, weil man damit ihren Freund ärgern wollte. Da konnte es schon vorkommen, dass dem so Gefrotzelten die Hand ausrutschte und den Widersacher traf, worauf dieser umgehend die Szene verließ, wahrscheinlich aus Angst vor einer zweiten Watschen.

Nun sind die Menschen in so einem Dorf verschieden. Bei uns daheim war einer davon der Stoder Franzi. Das i in seinen Namen hängte die Leute deswegen an, weil er kleinwüchsig war, aber ansonsten war er ein rühriges Bürscherl. Dann gab es noch eine Gattung von Männern, die rauflustig waren. Dazu musste aber ein Anlass da sein, um einen Raufhandel auszulösen. Da kam ihnen der Franzi gerade recht. Sie setzten ihn auf einen Liebhaber an, der gerade mit seiner Liebsten auf den Tanzboden kam und von dem sie wussten, dass er „gachzornig“ war. Wurde dann dem so Gefoppten diese „Zuawikräuerei“ zu viel, dann lupfte er sich das Fränzlein an die Brust. Darauf hatten die „starken Männer“ im Hintergrund grad gewartet. Sie sprangen sofort helfend ein mit dem Argument, dass sie den Missetäter beschützen müssten, weil er so klein und hilflos war, und schon war die Keilerei (zu mehr kam es ganz selten) in Gang gesetzt.

So war das damals. Wie das heute ist, kann ich nicht sagen. Das Tanzengehen hat sich bei mir aufgehört. Gehen meine Frau und ich dann doch einmal zu einer Veranstaltung, dann seh ich, dass zusammengehörige Paare miteinander an einem Tisch sitzen und nur mit ihren Damen zum Tanz gehen. Das „Außidrahn“ wie einst gibt es heute nicht mehr. Auch hatten wir uns zu unserer Zeit mehr am Tanzboden aufgehalten. Niedersitzen gehen mit einen Dirndl ging meist nur einmal, weil wir wenig Geld hatten. Tanzen war billiger.

Informationen zum Artikel:

Weiberhatz

Verfasst von Anton Pillgruber

Auf MSG publiziert im August 2012

In: Fleckerlteppich der Erinnerungen, Worte der Kindheit

Der Beitrag wurde folgenden Regionen und Zeiträumen zugewiesen:
  • Ort: Salzburg, Tennengau
  • Zeit: 1930er Jahre, 1940er Jahre, 1950er Jahre

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