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Rettungen aus Lebensgefahr

von Fritz Pany

Wer weiß, wie oft er im Leben in Todesgefahr war, ohne es auch nur zu ahnen.

Möglicherweise könnte fast jeder zumindest einmal feststellen, dass er knapp einem schweren Unfall entgangen war. Dann sagte oder dachte er, wenn er im landläufigen Sinne gläubig war: „Da hatte ich aber einen Segen“ oder „Da hat mir der Schutzengel geholfen“.

Viel häufiger fällt jedoch in so einem Fall die Phrase: „Schwein gehabt“ oder „Da hatte ich aber ein Masel (Glück)!“

An zwei derartige Situationen aus meiner Kindheit kann ich mich so genau erinnern, als ob es gestern gewesen wäre:

Kampf gegen das Ertrinken

Als Fünfjähriger, der noch nicht schwimmen konnte, nahm ich an einem Bootsausflug in Greinsfurth bei Amstetten teil. Wir waren in zwei Zillen unterwegs: Meine Eltern und ich in einem Ruderboot, eine befreundete Familie mit zwei Kindern im zweiten.

Wir Kinder sollten neben den Zillen im aufgewühlten seichten Wasser bleiben, während sich die Erwachsenen im Ufergebüsch umzogen. Die Mutter der anderen Familie war Nichtschwimmerin und zog sich nicht um, sondern blieb in ihrem Boot sitzen.

Die anderen zwei Kinder planschten brav neben einem Boot. Ich hingegen wollte eine Zille umrunden. Niemandem war im trüben Wasser aufgefallen, dass nach einem ganz schmalen Seichtbereich ein Steilabfall war, welchen ich prompt hinunterfiel.

Da ich nicht schwimmen konnte, schlug ich wild um mich und kam ganz kurz wieder hoch, schnappte nach Luft, konnte aber nicht schreien.

Das ging so einige Male, dann versuchte mir die „Tante“ im Boot, die zuerst geglaubt hatte, ich würde nur spielen, ein Ruder zu reichen, welches ich aber nicht erwischte. Da resignierte ich, müde geworden. Mir war klar, dass ich jetzt sterben musste und dass sicher ein Gebet angebracht war. Mir fiel nur mein tägliches Abendgebet ein: „Jesukindlein komm zu mir, mach ein braves Kind aus mir. Lieber Gott, mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm.“

Da wurde plötzlich alles angenehm und leicht, ich dachte noch „Warum hab ich mich bloß so gewehrt, es ist doch so schön“, und dann war ich weg.

Mittlerweile hatte die „Tante“ endlich gerufen: „Deli, dein Bua!“

Meine Mutter rannte im Unterkleid ins Wasser und plumpste auch den Steilabfall hinunter, bekam mich zu fassen und zog mich heraus. Ich wurde kopfüber geschüttelt und kam, Wasser spuckend, wieder zu mir. Noch im selben Sommer brachten mir meine Eltern das Schwimmen bei.

Absturz

Das zweite Ereignis begab sich in St. Lorenz am Mondsee. Wir wohnten „auf Urlaub“ in einem Privatquartier, welches einer Schustersfamilie gehörte. Der alte Schuster saß oft in seiner urtümlichen, finsteren Werkstätte, bohrte, nähte, hämmerte und erzählte von früheren Zeiten, wie er noch auf  die „Stör“ gewandert war.

Als elfjähriger Bub hatte ich noch keine Wander- oder Kletterschuhe und lief die ganze Zeit über barfuß. Ich war so abgehärtet, dass ich auch im Felsenbereich der Drachenwand ohne Schuhe unterwegs war.

Eines Tages hatte ich mit der Agfa-Box Fotos von Gämsen gemacht und wollte noch einen Felszacken besteigen. Ich kam dabei ins Rutschen und musste die Fotobox auslassen. „Jesus hilf“, konnte ich noch schreien, dann ging’s weiter ohne Halt bergab. Unter mir eine Felswand mit einer Tiefe von ungefähr 100 Metern.

Dann bekam ich endlich eine Wurzel zu fassen, welche nicht nachgab und meine Zehen krallten sich in eine schmale Rille. Hierauf gab es einen Klatsch und nach einiger Zeit wieder einen Krach. Der Fotoapparat war einmal auf die Felswand geprallt und dann im Geröll zerschellt.

Schwer atmend sprach ich ein Dankgebet, kletterte langsam und vorsichtig hinunter und sammelte die Reste der Agfabox ein.

Den Eltern erzählte ich die Begebenheit erst viel später, als wir schon zuhause in Amstetten waren.

Ich hatte also von klein auf gebetet. Nur selten wird man Gebetserhörungen nachträglich feststellen können. Wenn Sie zum Beispiel um eine sichere Autofahrt 100-mal beten, werden sie meist nicht bemerken, wann Ihnen auf Grund des Gebets geholfen wurde. Das sagt aber nichts über die Gebete aus.

Mein Vorbild Jesus Christus hat oft und ausdauernd gebetet, er hat uns mit dem „Vater Unser“ ein Muster hinterlassen, w elches uns davor bewahrt, „wie die Heiden zu plappern“. (Matt. 6,7)

Informationen zum Artikel:

Rettungen aus Lebensgefahr

Verfasst von Fritz Pany

Auf MSG publiziert im September 2013

In: Erinnerungsbücher

Der Beitrag wurde folgenden Regionen und Zeiträumen zugewiesen:
  • Ort: Niederösterreich, Mostviertel, Amstetten, Greinsfurth / Oberösterreich, Hausruckviertel, Mondsee, St. Lorenz
  • Zeit: 1940er Jahre, 1950er Jahre

Anmerkungen

Der Beitrag gibt einen Textausschnitt aus Dr. Friedrich Panys Buch "Das Wesentliche", S. 6-8, wieder.

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