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Ein für uns notwendiger Schritt

von Fritz Pany

Versuche unseres „Einbringens“ in die katholische Kirche

Meine Frau und ich trachteten jahrelang, als Katholiken und Angehörige einer überkonfessionellen christlichen Erneuerungsgruppe unsere Erfahrungen zur Erlangung einer persönlichen Beziehung zu Jesus Christus weiterzugeben. Ich war zweimal als Firmhelfer und in der Katholischen Männerbewegung tätig, Ditha wirkte als Kommunionmutter.

So besuchte unsere Familie in Waidring anlässlich eines Skiurlaubes im Februar 1985 den örtlichen katholischen Gottesdienst. Überwiegend wurden Marienlieder gesungen, die Fürbitten wurden alle an Maria gerichtet. (Siehe Joh. 14, 6, wo sich Jesus als einzige Wahrheit und einzigen Weg bezeichnet: „Keiner kommt zu Vater außer durch mich.“)

Diese klaren Worte hat die Urkirche ebenso wie wir, wenn wir unseren Sinn nicht verhärten, klar verstanden ( Siehe u. a. 1. Tim. 2,5: „Denn einer ist Gott und einer ist Mittler zwischen Gott und Menschen, der Mensch Christus Jesus.“)

Aber zurück nach Waidring: Der Pfarrer predigte unter anderem wie schön es wäre, wenn anlässlich eines Unwetters eine „geweihte“ Kerze ins Fenster gestellt würde und wie sehr er es schätze, wenn am Friedhof ein Lichtermeer auf den Gräbern zu sehen sei. Die Kinder stießen mich an: „Papa, das hat mit Christentum nichts zu tun, gehen wir.“ „Nein“, entschied ich, „wir bleiben hier und beten dafür, dass auch in dieser Gemeinde ein lebendiges Christentum entsteht. (Die Haltung der Kinder erklärt sich daraus, dass sie schon das biblische Wissen intus hatten und das Bekenntnis der Herrschaft Jesu über ihr Leben bekannt hatten. Ähnliches lehrt neben den Freikirchen auch die katholische und die evangelische Charismatik.)

Als dann im Zuge der Wandlung der Priester einem „patscherten“ Ministranten eine versteckte Kopfnuss gab, wurde unsere Geduld auf eine weitere Probe gestellt. Froh, dass es endlich aus war, verließen wir nach dem Schlusssegen diese „Messe“.

Der Ruf heraus

Am folgenden Sonntag  freuten wir uns, die übliche 9-Uhr-Messe, welche von einem neuen Kaplan „gelesen“ wurde, in Perchtoldsdorf zu besuchen. Die Wandlung leitete er mit  den Worten ein: „Und  so bitten wir den Heiligen X, den Heiligen Y und die Heilige Z, dass das Opfer, welches wir jetzt darbringen werden, Gott wohlgefällig  sei.“ Abrupt wurde ich aus der frohen Stimmung gerissen, als eine innere Stimme zu vernehmen war: „Das ist Götzendienst, du sollst nicht mehr daran teilnehmen. Verlasse die Kirche.“ (Siehe Hebr. 7, 22 ff.)

Äußerst überrascht beschloss ich, dies meiner Frau sofort nach dem Gottesdienst zu berichten. Beim Hinausgehen trachtete Ditha möglichst rasch an mich heranzukommen. Bevor ich noch den Mund aufmachen konnte, sagte sie: „Ich muss dir etwas Überraschendes berichten!“ „Ich auch“, war meine Antwort. „Lass mich anfangen“, setzte sie fort. „Während des Gottesdienstes kam eine Stelle aus dem Buch Chronik in meinen Sinn, wonach jeder mitschuldig wäre, der am Götzendienst des Regenten teilnehme. Ich glaube, wir müssen aus der Kirche austreten, obwohl ich mich in der Gemeinschaft sehr wohlgefühlt habe.“

Für uns war diese gleichzeitige Übereinstimmung ein Fingerzeig für den Zeitpunkt unseres Kirchenaustritts.

Ich beschloss, vor dem Schritt unseren befreundeten Ortspfarrer, der oft in einer Predigt verwendet hatte, was wir ihm gesprächsweise, etwa beim Heurigen am Vorabend, erzählt hatten, zu informieren.

„Du machst es dir nicht leicht, du musst aber nach deinem Gewissen leben“, war seine abschließende Aussage.

„Lass mich  für dich beten“, bat ich ihn. So sprach ich ein freies Gebet für ihn. Er antwortete mit einem kurzen katholischen Gebet und wir schieden in Freundschaft.

Am folgenden Sonntag wurde vor uns „als Sektierern“ vom Kaplan von der Kanzel herunter gewarnt. -- Der Austritt auf der Bezirkshauptmannschaft war dann eine kurze Formalität.

Hauskreisleitung

Lange Zeit feierten wir sodann den Sonntagsgottesdienst (mit Brotbrechen) mit unserer Familie und Glaubensgeschwistern in unserem Hause.

22 Jahre hindurch fand, bis zum Tod unseres lieben Sohnes Georg, Mai 2004, jede Woche ein überkonfessioneller Bibelkreis in unserm Haus statt. Wir konnten sehr viele Suchende zu einer persönlichen Beziehung mit Jesus Christus führen.

Informationen zum Artikel:

Ein für uns notwendiger Schritt

Verfasst von Fritz Pany

Auf MSG publiziert im September 2013

In: Erinnerungsbücher

Der Beitrag wurde folgenden Regionen und Zeiträumen zugewiesen:
  • Ort: Niederösterreich, Wien-Umgebung, Perchtoldsdorf / Tirol, Unterland, Waidring
  • Zeit: 1980er Jahre, 1990er Jahre, 2000er Jahre

Anmerkungen

Der Beitrag gibt einen Textausschnitt aus Dr. Friedrich Panys Buch "Das Wesentliche", S. 90-92, wieder.

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