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Korfu – Kérkyra 1966

von Gabriele Stöckl

Ein unvergesslicher Urlaub war die Flugreise nach Korfu mit 14-tägigem Aufenthalt für zwei Personen. Damals hätten wir uns diesen Urlaub unmöglich leisten können. Es war ein Gewinn bei einem Preisausschreiben der AZ. Am Sonntag war die Aufgabe: ein Foto eines springenden Teenagers im kurzem Pullover (der Mini war im Kommen), dazu sollte man in die Sprechblase einen Text finden und einsenden, „... wenn Sie sich binnen einer Woche Urlaub nehmen können“.

Ich hatte erst wieder halbtägig zu arbeiten begonnen, doch die Teilnahme war zu verlockend, und ich war ganz überzeugt, zu gewinnen. Montag schickte ich eine Postkarte mit "Höher geht’s nimmer!" ab, Mittwoch fragte ich meine Mutter: „Ist das Telegramm gekommen?" – „Ja, wieso weißt du ...?" Mein Chef war verständig und ich bekam kurzfristig Urlaub. Auch mein Mann.

Einen Tag vorher holte mich ein Reporter der Zeitung von Ybbs ab und brachte mich nach Wien, wo ich die zweite Gewinnerin und ihren Neffen kennenlernte. Sie wohnte im 10. Bezirk, in dem auch ich aufgewachsen war. Welch ein Zufall! In einer Boutique im 6. oder 7. Bezirk bekamen Karin und ich ein Kleid, das bis über die Knie gekürzt wurde. Ungewohnt. Zum Glück hatten wir ansehnliche Beine, was bei dieser Mode nicht unwichtig war. Wir wurden von einem Profi-Fotografen fotografiert.

zwei junge Frauen bei der Anprobe von Minikleidern

10. Juli: Der Tag der Abreise ist angebrochen. Wir standen früh auf, um noch zu baden. Es war herrlich. Lange warten, bis die Caravelle „Kärnten“ kam und die neuen Gäste brachte. Alle noch weiß. Zwei von einem Klub, mit gelben Hosen und Zylindern auf (Franzosen) meldeten ihrer heimkehrenden Gruppe: „Regen in Paris“.

Dann endlich war es so weit. Wir stiegen ein, und bald ging es los. Die Stewardessen waren diesmal affektiert und der Kapitän hat auch kein einziges Wort gesprochen. Wir bekamen wieder Köfferchen mit Essen: Wurst in Folie, zwei kleine Semmeln, Banane, Schokoladekeks. Der Flug war wieder ruhig. Pünktlich landeten wir in Wien-Schwechat. Der Zoll ging glatt vorbei. Und da hinter der Scheibe stand Andreas. Der kleine Kerl versteht das noch nicht so, aber wir haben uns gefreut.

Wir wurden von meinen Eltern mit unserem kleinen Sohn abgeholt. Mittag verbrachten wir noch bei Verwandten in Wien. Es gab zu erzählen, erzählen, erzählen. Gefrühstückt haben wir in Korfu, Mittag gegessen in Wien und Abendessen war in Ybbs. Auch unsere Ansichtskarten waren gut angekommen.

Zu Hause erfuhren wir noch, dass der Reporter in unserer Abwesenheit noch einmal nach Ybbs gekommen ist und für unseren kleinen Sohn eine Holzlokomotive (die es noch immer bei uns gibt) und einen Ball gebracht hat. Darüber ist ein längerer Artikel in der AZ gestanden.

Informationen zum Artikel:

Korfu – Kérkyra 1966

Verfasst von Gabriele Stöckl

Auf MSG publiziert im September 2013

In: Fleckerlteppich der Erinnerungen

Der Beitrag wurde folgenden Regionen und Zeiträumen zugewiesen:
  • Ort: Griechenland, Korfu / Kérkyra
  • Zeit: 1966

Anmerkungen

Der Textbeitrag wurde angeregt durch die Themenstellung des lebensgeschichtlichen Gesprächskreises "Wegfahren. Urlaub am Meer und anderswo", der im Herbst 2013 im Wien Museum stattfindet.

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