Sie sind hier:
  1. Startseite >
  2. Lesen > Fleckerlteppich der Erinnerungen: 623 Beiträge

Nahrungsbeschaffung in der Besatzungszeit

von Hanna Lixl

Ich bin in einem kleinen Haus in Mitterberghütten, einem Vorort von Bischofshofen, im Land Salzburg aufgewachsen. Als ältestes von vier Kindern wurde ich vor Ausbruch des Krieges geboren, es folgten drei Geschwister ganz knapp hintereinander während des Krieges. Unser Vater arbeitete für die Rüstungsindustrie in Tenneck.

Die Mutter war Hausfrau und hatte nach dem Krieg die größte Mühe uns mit etwas Essbarem zu versorgen. Sie hatte sich bereit erklärt, die Ausspeisung für alle Kinder in Mitterberghütten zu übernehmen. Dazu gehörte es, das Essensgut, das von den Amerikanern bereitgestellt wurde, in eine 25 l Kanne umzufüllen und damit den Weg von Bischofshofen nach Mitterberghütten zurückzulegen. Das Fahrrad mit einem Anhänger diente ihr zum Transport. Das Ausschenken der Speisen wurde von den Umstehenden mit scharfen Blicken verfolgt, obwohl die Mutter besonders darauf achtete, die eigenen Kinder nicht zu bevorzugen.

Im Sommer gingen wir zum Kartoffel- und Ährenklauben. Das, was von den Bauern übersehen wurde oder einfach liegen blieb, durften wir sammeln und behalten. Dazu hatten wir einige Kilometer zurückzulegen. Wenn wir schon sehr müde waren, durften wir am Wasser oder in den Auen spielen. Zur Beerenzeit packten wir unsere kleinen Kännchen, die Mutter einen großen Rucksack mit einer richtigen, vom Großvater gezimmerten Kiste und die Jause;

und auf ging's am frühen Morgen zum Beerensammeln. Wir hatten sicher zwei bis drei Stunden aufwärts zu gehen, bei Bauern vorbei, die keine Freude mit uns hatten. Das Beeren- und Pilze sammeln war damals nur oberhalb der bäuerlichen Anwesen erlaubt und außerdem war es notwendig, einen Sammelschein beim Forstamt zu erwerben.

Wenn es das Wetter zuließ, blieben wir den ganzen Tag und halfen der Mutter so gut wir konnten. Die Beeren waren nicht nur für den eigenen Bedarf bestimmt, sondern wurden auch verkauft. Einmal nun hatte Mutter keine Zeit den Schein zu besorgen, wir machten uns aber trotzdem auf den Weg. Der Förster der ausgerechnet dieses Mal vorbeikam, ließ uns alle gesammelten Beeren ausleeren und wir mussten unverrichteter Dinge nach Hause gehen. Wir heulten - alle Mühe war umsonst gewesen.

Wir haben auch Hühner gehalten und Schweine gefüttert. Wäre da nicht immer das Schlachten gewesen! Eine Tante ging mit uns weit weg, damit wir das Quietschen des Schweins nicht hören sollten. Das Fleisch schmeckte dann trotzdem vorzüglich.

Die Bauern waren nicht sehr großzügig beim Teilen mit der armen Bevölkerung, trotzdem gab es ein Gehöft weitab auf einem Berg, bei dem wir Butter kaufen konnten. Es war ein Tagesmarsch für uns Kinder der sich immer lohnte, denn die Bäuerin hatte für jeden von uns als Festmahl ein Stück selbst gebackenes Brot und darauf echte, frische Butter bereitgestellt.

Informationen zum Artikel:

Nahrungsbeschaffung in der Besatzungszeit

Verfasst von Hanna Lixl

Auf MSG publiziert im April 2009

In: Fleckerlteppich der Erinnerungen

Der Beitrag wurde folgenden Regionen und Zeiträumen zugewiesen:
  • Ort: Salzburg, Pongau, Mitterberghütten
  • Zeit: 1945

Copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt.

Seine Veröffentlichung erfolgt unter einer Creative-Commons-Lizenz.