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Pratergeschichten der Kindheit

von Otti Neumeier

Wenn man in Ottakring wohnt, ist der Prater nicht gerade ums Eck. So war es in meiner Kindheit immer ein Erlebnis, wenn wir in den Prater gingen. Und wenn ich Prater sage, meine ich nur den Wurstelprater, obwohl uns eine Fahrt mit der Liliputbahn auch ein, zwei Mal durch die grünen Wälder des Praters führte.

Es war eindeutig eine Frage des Geldes, und wenn die Preise auch weit unter den heutigen lagen, für arme Leute summierten sich die Beträge, die sie zur Befriedigung der Fahrlust ihres Kindes bezahlen mussten, enorm. Und so ein Kind wie ich konnte schon sehr lästig sein, wenn ich irgendwo fahren wollte und die Eltern widerständig waren.

Der ganze Wurstelprater war, wenn ich es heute so betrachte, wesentlich gemütlicher. Zu dieser Zeit gab es viel weniger Autos mit viel weniger PS auf den Straßen, die offiziellen Autorennen waren in ihren Höchstgeschwindigkeiten langsamer, als heute unsere Skirennläufer unterwegs sind, und so unterlagen auch die Fahrgeschäfte im Prater nicht dem heutigen Geschwindigkeits- und Höhenrausch. Die schnellsten Fahrzeuge waren die Autodrome, bei denen es aber mehr darauf ankam, jemanden zu rammen, was man später mit eigenem Führerschein und den Bandscheiben zuliebe nicht mehr machte.

Glücks- und Freiheitsgeschwindigkeiten erreichte man auf dem Scherberl- oder Topferl-Ringelspiel, auf dem man sich drehen und schupfen lassen konnte, vorausgesetzt, es wurde einem nicht schlecht. Da konnte es schon vorkommen, dass frisch Verdautes von oben auf die Zuschauer herunterprasselte.

Es gab eine Riesenschaukel, "Sturmboot" genannt, die ich zwar liebte, aber auf der auch ich Gefahr lief, mich zu übergeben. Dort saßen sich etwa zwei mal zwanzig Besucher gegenüber, und der Effekt meiner Übelkeit wäre direkt im Antlitz der vis-à-vis Sitzenden gelandet. Zweimal saß ich auf diesem Riesending, aber dann ließ ich es lieber bleiben.

DAS RIESENRAD

Dieses war damals noch im Besitz sämtlicher Waggons und für ein Kind eigentlich fad. Zwar war die Aussicht großartig, aber abenteuerlich war es nicht. Höchstens, wenn der Waggon ganz oben stand, und man kurz das Gefühl hatte, in der Luft zu hängen. In späteren Jahren – bereits von einer mich belastenden Höhenangst ergriffen – verzichtete ich nach einer „Panik“-Fahrt auf dieses „Vergnügen“. Und so brauch ich das Riesenrad heute zwar unbedingt für mein Wien-Gefühl, aber nicht, indem ich es benutze.

CALAFATI

Da war einmal das Ringelspiel des Calafati, des „Großen Chineser“, der sich in der Mitte mitdrehte. Der neun Meter hohe Tragebalken, der als asiatischer Amtmann verkleidet war, beherrschte das ganze Szenario.

Mein Streben galt dem Platz des Fahrers in einer offenen Straßenbahn, wie sie bis in die 50er Jahre noch auf der Straße zu sehen waren, hier allerdings in Mini-Format. Ich konnte sehr zornig werden, wenn jemand schneller war als ich, und ich stieg auf nichts anderes um, sondern wartete, bis mein Platz frei wurde. Ich war mir meiner Verantwortung voll bewusst, drehte konzentriert die Kurbel und klopfte mit dem Fuß heftig auf die Klingel, damit die in meiner Phantasie die Gleise querenden Fußgänger, auf die Straßenbahn aufmerksam wurden.

Was beim Calafati sonst noch für Fahrzeuge montiert waren, ist mir nicht mehr in Erinnerung, vielleicht Pferde, Autos, Motorräder – alles uninteressant, für mich gab es nur die Straßenbahn. Als das Ringelspiel mitsamt dem Chineser 1945 abbrannte wie so viele andere fixe Erinnerungsbestandteile des Praters, ging eine Ära zu Grunde.

Eigenartigerweise begegnete mir der Name Calafati nach vielen Jahren noch einmal, als ich mit neunzehn Jahren zu der Theatergruppe „Max Robert“ stieß, und da klärte sich manche Unwissenheit der Kindheit auf.

Der Leiter der Gruppe war ein Nachfahre des Herrn Basilio Calafati, der als geborener Triestiner 1820 nach Wien ausgewandert war, hier als Zauberkünstler auftrat und 1830 unter anderem Besitzer eines Ringelspiels wurde. Vorerst war dieses nur mit Holzpferden, später auch mit zwei Dampflokomotiven ausgerüstet, und irgendwann wird dann auch meine Straßenbahn dazugekommen sein.

HIPPODROM

Das Hippodrom existiert noch heute. Es besteht aus Kutschen, die von lebenden Pferden gezogen werden, und aus solchen, auf denen geritten werden darf. Für mich war es phantastisch, auf einem Pferd zu reiten. Das war doch ganz was anderes als auf dem Holzpferd im Vergnügungspark beim Ottakringer Friedhof.

Die Pferde liefen natürlich fest angeschirrt an ihre Kutschen, die auf Schienen rollten, oder als Begleitpferde unter den Musikklängen eines Orchestrions, aber als Reiter hatte ich das Gefühl, dass das Pferd meinen Anleitungen folgte. Ich wäre ja den ganzen Nachmittag geritten, aber wie immer ließen das die finanziellen Mittel nicht zu.

Wie es den armen Pferden dabei ging, darüber zerbrach ich mir damals noch nicht den Kopf. Überhaupt war Tierschutz damals noch keine große Sache. Oft sah ich, wie am Brunnenmarkt ein Kutscher sein Pferd schlug, wenn es nicht so zog, wie er wollte.

Dagegen ging es ja den Hippodrom-Pferderln sehr gut. Dass man durch das ständige Im-Kreis-Laufen auch leiden kann, darüber dachte damals – oder auch noch heute – niemand nach.

PRATERMAXI

Kamen wir gerade dazu, dass der „Pratermaxi“ mit seinem Herrn plauderte, war für mich das Vergnügen vollkommen. Ich liebte es, wenn diese Puppe so unglaublich lebendig mit dem Herrn redete, der sie auf dem Arm hielt und den ich eigentlich gar nicht wahrnahm.

Der „Pratermaxi“ war eine Bauchredner-Puppe „männlichen“ Geschlechts in schwarzem Gewand mit schwarzem Hut, schwarzen Augen und Augenbrauen in einem weiß geschminkten Gesicht. Der Hals war beweglich und durch den aufklappbaren Unterkiefer wirkte er ungemein lebendig, wenn er „sprach“.

Dem Bauchredner selbst sah man nicht an, dass er für die Puppe sprach, die sich frech und lustig mit ihm unterhielt oder das Publikum aufs Korn nahm. Ich hätte stundenlang dort stehen können, und heute noch bin ich ein leicht zu faszinierendes Publikum für Bauchredner, egal was für eine Puppe sie mit ihrer Stimme und ihren Gesten zum Leben erwecken.

LILIPUTLAND

Ja, das gab es, auch wenn nur noch eine „Blitzlichtaufnahme“ in meiner Erinnerung existiert. Ich habe keine Ahnung, in welchem Jahr ich noch Gelegenheit hatte, einen Blick auf dieses Dörfchen und seine Bewohner zu werfen.

Ansicht von Liliputland im Wiener Prater

Ein Zaun umrahmte kleine Häuser, vor denen wie auf einem Campingplatz kleine Tische und Bänke standen, und Menschen, die kaum größer waren als ich, saßen oder gingen darin herum. Es war faszinierend. Sie waren ganz normal angezogen, die Frauen hatten hübsche Beine, und alle waren wohl proportioniert, nicht so deformiert, wie man es von Zwergen oft kennt. Es war, wie wenn man in einem Puppenladen hineinschaute, nur waren es lebende erwachsene Menschen.

Nur dieses eine Mal hatte ich Gelegenheit, in dieses „Wunderland“ zu schauen, als wir das nächste Mal in den Prater kamen, gab es dieses Dorf nicht mehr.

Ansammlung kleinwüchsiger Menschen in der Liliputstadt im Wiener Prater

Wie ich der Magisterarbeit von Frau Gabriele Edelmann entnehme, wurde es ab 1940 verboten, die „Liliputaner“ – wie sie selbst genannt zu werden wünschten – auszustellen. Wer weiß, wohin sie unter dem Hitlerregime gekommen sind, man sah nie wieder einen von ihnen. Ich weiß jetzt auf jeden Fall, dass ich höchstens vier Jahre alt war, und es muss ein überwältigender Eindruck gewesen sein, wenn ich mich heute noch daran erinnere.

TOBOGGAN

Der weltweit älteste Toboggan war ein 25 Meter hoher Turm mit einer Holzrutsche in Form eines Korkenziehers und war wirklich nur für sportliche Interessenten. Das lag daran, dass man einige Meter des zu bewältigenden Weges auf einem sich sehr schnell bewegenden Teppich er-„fahren“ konnte.

Stahlkonstruktion einer Hochschaubahn im Wiener Prater

Dazu gab es männliche Helfer, die Damen und Kindern unter die Arme griffen und sie hielten. Ein wesentlicher Teil der Unterhaltung war es aber für die wartenden Zuschauer, wenn die Damen ins Stolpern kamen und dabei intime Blicke auf die Unterwäsche möglich waren, denn kein weibliches Wesen trug damals lange Hosen.

Männer, welche die Hilfe nicht in Anspruch nahmen und sich produzieren wollten, landeten natürlich zum Gaudium der Zuschauer auch oft auf ihrer Hinterseite oder taumelten, sich mühselig am Helfer ankrallend, bis zum Ende des gnadenlos raschen Teppichs.

Den Rest musste man dann zu Fuß über Treppen steigen und verschnaufte, oben angekommen, erst einmal, indem man die Aussicht genoss.

Allzu viel Platz war nicht, also bekam man einen Kartoffelsack als gleitende Unterlage, einen Schubs, und schon ging’s los nach unten auf den glatten Holzbrettern immer im Kreis wie auf einem Stoppelzieher. Ich liebte den Toboggan, denn so mager wie ich war, war Stiegensteigen für mich noch kein Thema, und das Rutschen war abenteuerlich und lustig.

Auch der Toboggan wurde ein Opfer der Kriegstage von 1945. 1947 wurde er neu errichtet, aber im Jahre 2000 waren die Schäden wieder so groß, dass er außer Betrieb ging. 2008 wurde beschlossen, eine neuerliche Instandsetzung vorzunehmen, und seit 2009 kann wieder gerutscht werden.

GROTTENBAHN

Auch sie ist im Krieg abgebrannt. Wer hat eigentlich so großen Wert darauf gelegt, dass im harmlosen Prater alles kaputtging? Natürlich war alles nur aus Holz und Stoff und nicht so massiv aus Eisen und Stahl gebaut wie heute.

Für uns Kinder war es wunderbar, wenn wir unter dem Klang des Orchestrions, das von einer Figur, die Johann Strauß darstellte, dirigiert wurde, einstiegen. Der Wagen wurde von einem Drachen gezogen, und wir tauchten in die Märchenwelt ein. Es waren Rotkäppchen, Hänsel und Gretel und die Zwerge im Berg bei ihrer Arbeit, die wir sahen, und dann die Krönung: Schneewittchen im Glassarg, die Zwerge rund um sie geschart und der Prinz, der sie wachküsste – da konnte auch schon eine Sechsjährige von einem Prinzen zum träumen beginnen.

FLOHZIRKUS

Ich konnte mir beim ersten Mal überhaupt nichts darunter vorstellen, aber Papa wie Mama gingen mit der gleichen Begeisterung in die kleine Koje hinein, in deren Mitte sich ein runder Tisch befand, um den sich die Zuschauer scharten.

Der „Zirkusdirektor“ stellte mit großem Tamtam seine „Künstler“ vor, und da ich noch sehr klein war und gerade über den Tischrand sah, war ich in Augenhöhe mit ihnen.

Bis dahin hatte ich in meinem Leben noch keinen Floh gesehen und war überrascht, wie zierlich und langbeinig diese Geschöpfe waren. Es wurde uns erklärt, dass es sich nur um Weibchen von Menschen- oder Igelflöhen handelte, denn Männchen und sonstige Tierflöhe wären ungeeignet. Da man diese Tiere nicht wirklich trainieren kann, wurden sie, bevor sie als „Artisten“ eingesetzt wurden, beobachtet, wofür sie besser geeignet waren, zum „Springer“ oder zum „Läufer“. Die „Künstlerinnen“ hatten alle Namen, leider ist mir keiner mehr in Erinnerung; aber ich glaube, sie klangen alle großartig.

Die „Läufer“ waren mit feinen Silberfäden an winzige Papier-Kutschen gebunden, und wie der Herr Direktor erklärte, begann nun ein „Wettrennen im Circus Maximus“ zwischen mehreren solchen „Läufern“, wobei jeder seine eigene Bahn hatte.

Tatsächlich war dann einer der Flöhe mit seiner Papierkutsche schneller als die anderen und wurde als Sieger zum Dank auf den Unterarm des „Dompteurs“ gesetzt und durfte sich dort seine Belohnung – Blut – abholen.

Die „Springer“ wurden in ein kleines Fußballfeld mit winzigen Toren hineingesetzt, saßen auf klitzekleinen Kugeln und schossen diese beim Absprung in Richtung Tor. Nach solchen und ähnlichen Kunststücken bekamen auch sie ihren „vampirischen“ Preis. Da ich unmittelbar davor stand, sah ich tadellos, Erwachsene die beim Beobachten Probleme hatten, erhielten ein Vergrößerungsglas.

Ein nicht zu übersehender Vorteil eines solchen Unternehmens war jedenfalls, dass der ganze Zirkus inklusive Bühne und der zierlichen „Künstler“ in einen Handkoffer passte; dafür musste man als Direktor aber auch bereit sein, die „Artisten“ am eigenen Leib zu ernähren.

WATSCHENMANN

Über den kann ich nur vom Zuschauen berichten; ich war weder groß noch stark genug, um ihm eine Watsch’n geben zu können. Da er nach den erhaltenen Watschen immer ein wenig brummte, tat er mir immer ein bisserl leid, ich glaubte, in diesem Laut einen nur mir verständlichen Klageschmerz zu hören.

Diese mannshohe Figur mit einem extrem großen, breiten und fast negroiden Gesicht war nur dazu da, dass die Männer ihr Mütchen kühlen konnten und ihm eine kräftige Watsch’n (Backpfeife für die deutschen Leser) gaben. Über dem Kopf des „Watschenmannes“ gab es eine Anzeige in Uhrform, die signalisierte, mit welcher Kraft der jeweilige Kontrahent hingehauen hatte, und so konnten die prahlenden und sich produzierenden Mannsbilder gegenseitig ihre „Schlagkraft“ messen.

PRÄUSCHER’SCHES PANOPTIKUM

Es stand auf dem freien Platz gegenüber dem Riesenrad, in der Nähe des Kinos, und es war ein ewig unerfülltes Ziel meiner Sehnsüchte, denn Kinder durften nicht hinein.

Ein wenig konnte man beim Eingang hineinlugen und sah vielleicht ein Stück von ich weiß nicht was, aber draußen an den Wänden gab es Reklame in Form von Plakaten für die „Frau ohne Unterleib“. Ach, hätte ich die gerne gesehen! Es war ja so unvorstellbar, eine Frau ohne Unterleib, wie sollte das gehen? Außerdem gab es Bilder über Sensationen wie „Lionel, der Löwenmann“, „Resi, die Riesenfrau“ oder sonstige „Abnormitäten“.

Abbildung von arm- und beinlosem Menschen als Schausteller im Prater

Es handelte sich um Menschen mit körperlichen Missbildungen, die sich zum Zweck des Lebensunterhalts zur Schau stellten: wie der berühmte Rumpfmensch Nikolai Kobelkoff, der trotz fehlender Arme und Beine Kunststücke zeigte und es zu einer Familie mit zahlreichen Nachkommen und zum Ringelspielbesitzer brachte; siamesische Zwillinge, Kleinwüchsige, Riesenwüchsige, Bartfrauen und vieles mehr. Das alles ging 1945 in Flammen auf, ohne dass ich es jemals gesehen hätte.

Erst in den 60er Jahren kam ich endlich in das Pratermuseum, in dem ich dann wenigstens Fotografien davon sehen konnte. Endlich wurden die auf den Präuscher’schen Wänden Angekündigten im Museum sichtbar, das sich jetzt im Planetarium im Prater befindet, und noch heute gehe ich gerne hin, wenn ich meinen „Pratermaxi“ oder den „armen“ Watschenmann wieder sehen will.

Vor etlichen Jahren war es mir gegönnt, meine kindlichen Vorstellungen von Wachsfiguren in Vollendung zu bewundern, als wir in London Theater spielten. Madame Tussauds Wachsfiguren bescherten mir endlich optisch die Entschädigung für die versäumten Präuscher’schen Figuren im Prater meiner Kindheit.

HOCHSCHAUBAHN und GEISTERBAHN

Wenn man sieht, wie viele Konstrukteure sich heutzutage bemühen, noch höhere, noch großartigere Hochbahnen zu erfinden, dann war die Hochschaubahn wirklich ein harmloses Vergnügen. Auch sie schraubte sich in die Höhe, aber nicht so freistehend angsteinflößend, sondern die Waggons bewegten sich sozusagen „geschützt“, von Pseudogebirgen umgeben, und nur wenn’s ganz hoch hinauf ging, sah man weit über den Prater, bevor man schreiend in die Tiefe schoss und schon den nächsten Berg hinaufratterte. Dazwischen winkte man den unten Stehenden zu und war nie in Gefahr, sondern hatte nur einen kleinen Schauer wie auch in der Geisterbahn.

Bei der war es schon ein bisserl unheimlich, wenn plötzlich ein Totenkopf „fast“ auf einem landete, Teufel, Geister und Särge aus den Ecken sprangen und besonders dann, wenn etwas die Haare berührte, das sich dann als lebender „Tod“ herausstellte, der am freien Balkon spazieren ging und den Zuschauenden, die Sense geschultert, freundlich zuwinkte.

MÜDES ENDE

Einmal ließ sich meine Mutter von meinem Begeisterungsrausch des Fahrvergnügens so anstecken, dass sie nicht im Auge behielt, ob wir noch genug Geld für die Heimfahrt hatten. Als wir endlich erschöpft – der Abend war hereingebrochen – nur mehr in die Straßenbahn einsteigen und sitzen wollten, stellte sich heraus, dass kein Geld mehr da war, wir hatten die letzte Mark ausgegeben. Es blieb uns nichts anderes übrig, als vom Prater zu Fuß nach Ottakring zu gehen.

Viel Raunzen nutzte auch nichts, schließlich war ich schuld an dieser Misere. Ein bisserl durfte ich jammern, und meine Mutter, die sich auch nicht ganz unschuldig fühlte, jammerte ein bissel mit. So landeten wir endlich am Brunnenmarkt, krochen noch die drei Stockwerke hinauf und mussten froh sein, dass uns Vater nicht in Grund und Boden schimpfte.

Aber es war ein großartiger Tag gewesen, und wie man sieht, erinnere ich mich noch daran.

Informationen zum Artikel:

Pratergeschichten der Kindheit

Verfasst von Otti Neumeier

Auf MSG publiziert im April 2011

In: Fleckerlteppich der Erinnerungen, Worte der Kindheit

Der Beitrag wurde folgenden Regionen und Zeiträumen zugewiesen:
  • Ort: Wien, 2. Bezirk / Wien, 16. Bezirk
  • Zeit: 1940er Jahre

Anmerkungen

Alle Fotoaufnahmen zu diesem Beitrag stammen aus dem Pratermuseum, 1020 Wien.

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