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Die Weinlese ist zu Ende

von Elfriede Wondrusch

Eine schmale Gasse, links und rechts Weinkeller. Vor einem offenen Tor in einen Weinkeller steht ein Anhänger mit Trauben, rundherum die Helferinnen und Helfer, die soeben von der Weinlese kommen.
1980er Jahre

Wochenlang waren wir in den Weingärten der Familie Löffler in Hautzendorf mit dem Einsammeln der Trauben beschäftigt. Einige Helfer machen zum Vergnügen mit, andere um Geld (300 Schilling pro Tag), wieder andere als Gegengeschäft, weil ihnen der Bauer mit seinen Maschinen die Felder bestellt.

Anfangs macht das Lesen Spaß, man freut sich an den schönen Früchten, nascht von den schönsten Beeren und kann sich bei der Arbeit unterhalten. Mit der Zeit aber tut der Rücken weh vom Strecken nach den Trauben, vom Bücken nach den abfallenden Beeren, dem Heben der schweren Kübel. Oft ist es regnerisch.

An diesem Tag waren wir schon fast fertig mit der Lese, da kam ein Auto mit Reportern. Die wollten uns fotografieren. Keiner war davon entzückt. Beim Weinlesen hat man die ältesten, schäbigsten Kleider an – Hauptsache, sie sind warm. Und wir waren sehr müde.

Aber die Reporter ließen nicht locker. Sie folgten unserem Fuhrwerk bis in die Kellergasse. Beim Löffler-Keller im Hohlweg stieg der Fotograf auf das Dach des Traktors. Für uns gab es kein Ausweichen. Frau Kurzmann bindet noch ihr Kopftuch neu. Schnell werden noch ein paar Beeren gekostet. Rita hat aus dem Keller eine Flasche Wein gebracht. Ich sitze vorn und genieße das Spektakel.

Im Löffler-Keller gibt es einen Pilz, der sehr selten ist. Der wurde dann auch fotografiert.

Informationen zum Artikel:

Die Weinlese ist zu Ende

Verfasst von Elfriede Wondrusch

Auf MSG publiziert im Juni 2009

In: Lebensgeschichtliche Fotorevue

Der Beitrag wurde folgenden Regionen und Zeiträumen zugewiesen:
  • Ort: Niederösterreich, Weinviertel, Hautzendorf
  • Zeit: 1980er Jahre

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