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Stephansdom 1945

von Alfred Wolf

Der ausgebrannte Stephansdom, Blick auf den Turm von unten durch einen Bogen

Bei den Kämpfen um Wien brannte im April 1945 der Stephansdom aus. Das Wahrzeichen der Stadt bot ein Bild der Zerstörung, das ich für bessere Zeiten festhalten wollte. Da der Zutritt zur Brandruine nicht verboten war, konnte ich mir sogar einen geeigneten Platz für ein Erinnerungsfoto aussuchen. Doch wie staunte ich, als sich dort schon ein Maler samt Staffelei befand, ein Beweis, dass dieser Blick gewiss ein „malerischer“ war. Der Künstler Ernst Schrom hatte gerade sein Bild skizziert, als ihm vom nahen erzbischöflichen Palais kommend ein Priester über die Schulter sah und meinte, dass er einen Pfeiler zu viel dargestellt hätte. Der Maler antwortete, er habe diesen aus der Phantasie dazu gezeichnet. Diese künstlerische Freiheit missfiel dem Kritiker und er entfernte sich schließlich mit den Worten „Phantasie ist immer schlecht!“

Dieses Foto schickte ich meinem aus Wien geflüchteten Mädchen, meiner späteren Frau, die es auf ihrem Tisch in Steinbach am Attersee als Erinnerung an ihre ferne Vaterstadt aufstellte.

Informationen zum Artikel:

Stephansdom 1945

Verfasst von Alfred Wolf

Auf MSG publiziert im Juni 2009

In: Lebensgeschichtliche Fotorevue

Der Beitrag wurde folgenden Regionen und Zeiträumen zugewiesen:
  • Ort: Wien, 1. Bezirk
  • Zeit: 1945

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