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Langer Schatten - Familienzuwachs

von Rita Wodniczak-Naths

Rita Naths und ihre Halbschwester Gerda in Trittau, 1949
Rita Naths mit ihrer Halbschwester Gerda in Trittau, 1949

Es begannen bei meiner Mutter aufs Neue „Babyjahre“. Am 3. Juni 1949 bekam ich eine Halbschwester, Gerda-Margret. Zu dieser Zeit war so etwas nicht „gesellschaftsfähig“. Meine Mutter war eine Kriegerwitwe und führte, wie man so sagte, eine Onkel-Ehe. Um Rente zu bekommen, musste sie meinen Vater für tot erklären lassen. An manchen Tagen verspürte ich ein rätselhaftes Unbehagen. Papi hätte ja auch in russischer Kriegsgefangenschaft sein können. Niemand sieht, wenn ich weine. Der Kehlkopf schmerzt, weil ich die Tränen unterdrücke. Bedingt durch den Alkoholkonsum meines Stiefvaters war meine Mutter ständig schwanger – fünf Fehlgeburten, dann 1951 ein Sohn, Edmund.

Als meine Schwester auf die Welt kam, war ich neun Jahre alt. Eine Hausgeburt. Hebamme war Frau Ahrens, die Ehefrau des Schulleiters. Wir lebten in totaler Armut. Die meiste Zeit meiner Kindheit lag meine Mutter wegen der Fehlgeburten im Krankenhaus. Mein damaliger Klassenlehrer, Herr Borke, wollte von mir den Grund der Krankheit erfahren. Meine Antwort: „Sie hatte eine Feegeburt!“ Sein erstauntes Gesicht schaute mich dumm an. „Ei, was weißt du denn darüber? Was ist denn das?“ Woher soll ich das wissen? Krankheiten, da kannte ich nur meine Blinddarmoperation (1946 – Krankenhaus –Lütjensee). Die war schlimm genug. Also schaute ich dumm zurück.

Informationen zum Artikel:

Langer Schatten - Familienzuwachs

Verfasst von Rita Wodniczak-Naths

Auf MSG publiziert im Mai 2009

In: Lebensgeschichtliche Fotorevue

Der Beitrag wurde folgenden Regionen und Zeiträumen zugewiesen:
  • Ort: Deutschland, Hamburg, Trittau
  • Zeit: 1940er Jahre

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