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Der Brunnen und das Wasser

von Engelbert Absmanner

Früher hat es in jedem Hof einen Brunnen gegeben, das Wasser war ja lebenswichtig. Der Brunnenmacher und der Brunnengraber waren eigene Berufe.

Zu meiner Zeit haben wir zwar so manches Mal noch Wasser aus dem Brunnen geholt, aber wir haben in der Küche und im Stall schon eine Wasserleitung gehabt.

Frau mit drei jungen Hunden vor Brunnen, der neben Hauseingang steht
Tante Resi vor unserem Leierbrunnen (1943)

Unseren Brunnen vor dem Haus gibt es heute auch noch, nur hat er seit 1973 keinen Zufluss mehr. Damals haben wir durch den Garagenbau den Wasser-Zufluss weggeleitet. Dass das der Zufluss der Quelle war, ist uns aber erst später bewusst geworden.

Damals wurde das Wasser mit einem drei bis vier Meter langem Holzrohr heraufgepumpt. Den Leierbrunnen hat der weitum bekannte Brunnenmacher, der „Gigitzert Naz“ (der stotternde Ignaz) hergestellt. Die Bäume auszuhöhlen war eine eigene Kunst.

Zur Jause auf dem Feld hat es immer frisches Wasser gegeben. Das Wasser vom Zaglauerbrunnen war noch frischer als unseres, warum weiß ich nicht.

Um 1900 wurde der Bach beim Wirt aufgestaut, der heutige „Wirtsweiher“. Das Wasser, das über die Wehr drüber gelaufen ist, hat eine Pumpe angetrieben, die „Wiedern“. Diese hat das Wasser zu den Häusern gepumpt. Wenn aber zu wenig Wasser war, das die Pumpe antreiben sollte, war die Pumpleistung umso geringer.

Manchmal in einem trockenen Sommer, wie zum Beispiel 1947, kam auch gar kein Wasser. In diesem Fall haben wir immer noch unser Brunnenwasser genommen. Wenn in der Nähe vom Wirtsweiher Hilling gespritzt wurde, hat das Wasser auch einen Hilling-Geschmack gehabt. Das war halt so.

Beim Hirschlinger haben sie das Regenwasser für ihre Viecher in einem großen Kessel gesammelt, der in einem eigenen Raum untergebracht war, damit es im Winter nicht gefrieren konnte. Im Sommer haben sich beim Hirschlinger alle Kinder zu dritt oder zu viert in einem hölzernen Schaffel die Füße gewaschen. Da ist es nicht so genau gegangen.

Rund 20 Arbeiter, teilweise mit Schaufeln, um einen mannshohen Graben durch freies Gelände
Großentwässerung (1925)

1954 haben wir in Kemating eine neue Wasserleitung gegraben. Die Initiatoren waren der Geißlerbauer und der Weihermann.

Damals haben nur einige Nachbarn das Quellwasser vom Mesnergrund bezogen, inzwischen versorgt diese Quelle ganz Göming mit ihrem Wasser. Anscheinend kommt das Wasser dieser Quelle vom Seengebiet über dem Haunsberg.

Der Brunnen der inzwischen gegründeten Genossenschaft war zuerst 13 Meter, dann wurde noch bis 30 Meter hinuntergegraben. Dazu musste eine „Huacht“ (hartes Gestein) überwunden werden, wo man schon glaubte, dass es nicht mehr weitergehen würde.

Beim Leitungsgraben mussten alle mithelfen, denn wir haben alles mit der Schaufel gegraben. Ich bin extra ein Jahr später in die Landwirtsschaftsschule gegangen, damit ich mithelfen konnte. Jeder hatte eine bestimmte Strecke zu graben, das wurde alles anteilsmäßig ausgerechnet und eingeteilt. Da gab es zum Beispiel die Strecke von der Kirche bis zum Passé auf dem Hochfeld oder von Kemating bis Furt, oder von den Eichen bis nach Kemating, wo ich eine Strecke von 15 Meter zu graben hatte.

Mit dieser neuen Wasserleitung haben wir mehr Leitungen ins Haus und in den Stall bekommen, so dass jede Kuh ihre Tränke hatte. Das war auch Anlass für unser erstes Waschbecken in der Küche.

Ich weiß noch gut, dass wir dazu einen Abfluss durch die Küche graben mussten, der dort durch die Mauer ging, wo jetzt die Terrassentür steht. Bis dahin haben wir das Geschirr in einem eigenen hölzernen Abwaschschaffel abgewaschen. Das Wasserschiff im Ofen hat uns immer das warme Wasser geliefert, das wir mit dem „Hofnsechtei“ (Wasserkanne) herausgeschöpft und gleich wieder nachgefüllt haben. Das Abwaschwasser haben die Schweine bekommen.

Für größere Wasch- und Putzaktionen haben wir das Wasser im großen „Waschhäfen“ (Topf) aufgewärmt. Zum Wäschewaschen und Sauabstechen haben wir den Erdäpfeldämpfer in Betrieb genommen. Die Waschküche war mit dem Back- und Dörrofen hinter dem Haus, wo jetzt die Garagen stehen. Später wurde aus der Waschküche der Hühnerstall. Die Hühner lebten vor 1940 im Haus unter der Bank.

1966, zehn Jahre nach der neuen Wasserleitung, haben wir unser erstes Klo ins Haus gebaut. Lange war das Plumpsklo und der Nachttopf in Betrieb, obwohl wir zu dieser Zeit schon sieben Kinder hatten.

Ich weiß noch gut, dass die Hirschlinger´s bei Gasthöfen und Geschäften ein paar Mal im Jahr das Plumpsklo ausgeräumt haben. Dazu hatten sie eine „Hillingkoachn“ (Jauchekarre), das war ein viereckiger Kasten aus Holz, den ein Pferd auf einer Achse gezogen hat. Mit einem hölzernen „Schopfa“ (Schöpfer) haben sie alles händisch ausgeräumt. Der Kasten, in dem vier- bis fünfhundert Liter Platz hatten, musste natürlich dicht sein.

Buchcover
Informationen zum Artikel:

Der Brunnen und das Wasser

Verfasst von Engelbert Absmanner

Auf MSG publiziert im Mai 2009

In: Fleckerlteppich der Erinnerungen, Erinnerungsbücher, Worte der Kindheit

Der Beitrag wurde folgenden Regionen und Zeiträumen zugewiesen:
  • Ort: Salzburg, Flachgau
  • Zeit: 1900 bis 1975

Anmerkungen

Anna Lettner hat die Erzählungen ihres Vaters Engelbert Absmanner schriftlich festgehalten und in Buchform herausgegeben.

Der Textbeitrag ist diesem Erinnerungsbuch mit dem Titel "Ich kann mich noch so gut erinnern" (2009), S. 112 ff.,  entnommen.

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