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Der blaue Fetzen

von Engelbert Absmanner

Bauer mit Pfeife und Fürtuch stehend vor Hauseingang
Großvater mit dem Fetzen und der Pfeife vor unserer Haustür

Ob es jetzt ein Bauer war oder ein Knecht – jeder hatte immer einen blauen Schurz an, einen Schutz für die Kleidung darunter. In das Hangerl, das ist der obere Teil des blauen Fetzen [auch: Firta], steckte mein Vater seine Pfeife hinein. Man hat sich aufs Gewand geschaut, damit man es so lange wie möglich tragen konnte.

Ich habe meinen Vater und meinen Onkel, den Schmiednerbauer, überhaupt nicht ohne blauen Schurz gekannt. Wenn mein Onkel nach Oberndorf gefahren ist, hat er einen „ebenen Fetzen“ getragen, das war ein Schurz ohne Hangerl. Auch ich trage heute noch einen Fetzen zu jeder Arbeit, den die Mama schon oft geflickt hat.

Im Stall haben wir über dem Stallgewand einen Stallfetzen getragen, der aus Jutesäcken gemacht war. Die Stoffe und Fetzenbänder haben wir immer von den Hausierern abgekauft, das waren die Verkäufer, die von Hof zu Hof gegangen sind, um vielerlei Gebrauchsgegenstände anzubieten, wie zum Beispiel Gummibänder, Kämme usw. Die Bäuerin hat oft schon auf ihn gewartet: „Jetzt dürfte der Hausierer wieder einmal kommen!“

Informationen zum Artikel:

Der blaue Fetzen

Verfasst von Engelbert Absmanner

Auf MSG publiziert im Mai 2009

In: Lebensgeschichtliche Fotorevue, Erinnerungsbücher, Worte der Kindheit

Der Beitrag wurde folgenden Regionen und Zeiträumen zugewiesen:
  • Ort: Salzburg, Flachgau, St. Georgen
  • Zeit: 1930er Jahre, 1940er Jahre

Anmerkungen

Der Beitrag ist dem Erinnerungsbuch mit dem Titel "Ich kann mich noch so gut erinnern" (2009), S. 38 f.,  entnommen.

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