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In der Stube meines Elternhauses

von Theresia Oblasser

zahlreiche Personen und Inventar in einer alten Bauernstube, wie im Text beschrieben
In der Stube meines Elternhauses (um 1938)

In der Stube meines Elternhauses. Meine Mutter sitzt am Spinnrad, Großmutter und ihre Tochter Nani stricken, das Mädchen hinter dem Tisch hieß auch Nani und war ein Annehmkind der Großeltern. Großvater mit seiner Pfeife, wohl nicht lange bevor er gestorben ist.

Das Foto muss vor 1938 gemacht worden sein, aber der Weihnachtsaltar ist ganz genau so, wie ich ihn erlebt habe.

Die Tafel in der Mitte war nicht gemalt, sondern reliefartig und bestand aus Figuren, die auf rosarotem, in Falten gelegtem Seidenstoff befestigt waren, und zwar in der Tiefe eines ovalen Bogens. Diese Tafel hatte ein Spielwerk eingebaut. Mit einem Schlüssel aufgezogen, spielte es viele Melodien.

Links und rechts davon hängen zwei Bilder, die ich auch sehr gern betrachtete:

Jesus und Johannes als etwas größere Kinder. Johannes ist mit einem Fell umhüllt und hat im Arm ein Lämmchen. Seine Haare sind gelockt. Das Jesuskind trägt die Weltkugel in den Händen und das Kreuz, mit einem beschrifteten Band umwunden. Diese Bilder stellten wir am 24. Dezember in den Herrgottswinkel, und sie blieben da bis zum Lichtmesstag, dem 2. Februar. Auf dem besticktem Altartuch steht „Gloria in excelsis Deo“. Das Tuch wurde zu den Festen ausgewechselt, und es wurde jeweils eines mit zum Festkreis passenden Motiven und Schriftzügen verwendet. Zu Weihnachten steckten wir außerdem hinter jedes Bild Tannenzweige.

In der übrigen Zeit des Jahres hing im Eck ein Kreuz, davor Papierblumen, daneben ein Muttergottesbild. Im Mai stellte die Mutter eine Marienstatue ins Eck und schmückte sie besonders schön mit frisch ausgetriebenen Lärchenzweigen, Engelblumen, Phlox, Gamsblumen, Vergissmeinnicht usw.

In der auf dem Bild gut sichtbaren Tischschublade wurden die Löffel aufbewahrt und das Tischtuch, welches nur zum Essen über den Tisch gebreitet wurde. Über dem Tisch auf dem Holztram hängt ein dreibeiniges Eisengestell, der „Stanggerer“, der für Zuspeisen auf den Tisch kam. Die Pfanne mit dem Hauptgericht wurde auf das Pfannholz gestellt und darüber auf den Stanggerer kam eine Schüssel mit der Zuspeise. Auch die Petroleumlampe ist gut zu sehen und daneben ein Kalender.

Informationen zum Artikel:

In der Stube meines Elternhauses

Verfasst von Theresia Oblasser

Auf MSG publiziert im Februar 2011

In: Lebensgeschichtliche Fotorevue, Erinnerungsbücher

Der Beitrag wurde folgenden Regionen und Zeiträumen zugewiesen:
  • Ort: Salzburg, Pinzgau, Taxenbach, Großsonnberg
  • Zeit: 1930er Jahre

Anmerkungen

Der Beitrag gibt einen Textausschnitt aus dem Buch "'Das Köpfchen voll Licht und Farben...' Eine Bergbauernkindheit", Fototeil bzw. S. 151 f., von Theresia Oblasser wieder.

© Böhlau Verlag

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