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Mein Wunsch Bäuerin zu werden

von Cilli Lindner

Es kam zu Werbungen. Doch der Rechte war der Reihofer Michl. Ein Bauernbursch, sechs Jahre älter als ich. Er erbte keinen Hof.

Mühlviertler Bauernhaus hinter Bäumen
Das Kleinhametnergut, mein Elternhaus

Unsere Zuneigung wuchs. Er kam in unser Haus. Er wurde mein Verehrer. Vater und Mutter bezeichneten ihn als anständig. Sie waren mit der Wahl einverstanden. Die Sorge war, eine Existenz zu schaffen. Wo? Die Eltern sorgten sich.

1959 brannte ein Bauernhof ab. Der Reihofervater hätte die Brandstatt gekauft. Auf dem Hof war ein Pächter. So bot der Besitzer das Anwesen feil. Es gab kein Dach, kein Vieh, keine Maschinen und Geräte. Meine Eltern hatten für mich kein Geld auf der Seite.

Zu der Zeit erlitt ich einen zweiten Leistenbruch. Bei der starken Arbeit, beim Wiesendrainieren, hatte ich mich wieder verwundet. So kam ich ins Spital. Mein Übermut war weg, es kam der Ernst des Lebens. (...)

Die Meinung der Eltern, „Kommt Zeit, kommt Rat!", wurde wahr.

Es war der 29.12.1959. Nach dem Gottesdienst schickte der Herr Pfarrer einen Ministranten zu mir in die Bank, ich solle mitkommen. Der gute Seelsorger Florian Strobl erzählte von den Mayrhoferleuten Auf der Au. Sie würden das Haus auf Leibrente verkaufen. Zu Hause wurde dies besprochen und überlegt. Am 1.1.1960 suchte ich mit Michael das Ehepaar Mayrhofer auf.

Ehepaar Mayrhofer mit Sohn, der Pfarrer wurde, sitzend
Das Ehepaar Mayrhofer mit Sohn Johann. Für sein Studium wurde der letzte Groschen gespart.

Ihr einziger Sohn war Priester. Er wirkte damals als Kooperator in der Stadtpfarre Linz. Frau Mayrhofer lag krank im Bett und musste in das Krankenhaus. Der Besitzer konnte nicht melken, und sie hatten zwei Kühe. Die beiden Leute freuten sich sehr über unser Kommen. Sie redeten von ihren Vorstellungen. So handelten die Väter das Haus ein. So kam es zum Auszug aus meinem Elternhaus in Mairhof 16. Am Kalender stand an diesem Tag: „muss es sein, so füg dich drein."

Am 18.1.1960 wanderte ich von daheim weg und half Herrn Mayrhofer. Die Frau lag noch im Spital. Meine erste Arbeit hatte einen „adeligen" Charakter. Mit dem Hausherrn musste ich die Jauche ausführen. Mit einem Ziehschlitten ging es über die Bundesstraße. Alle zwei Wochen musste diese Arbeit getan werden. Es geht alles vorüber, es geht alles vorbei! Manches musste modernisiert und der Zeit angepasst werden. Am 3.2.1960 wurde beim Notar der Vertrag unterschrieben.

Frau Mayrhofer war aus dem Spital heimgekommen. Wir rüsteten zur Hochzeit. Herr Pfarrer Mayrhofer stand uns bei. Er besorgte auch für seine Eltern neue Möbel, einen Küchenherd und manches an Neuem. Die „Ausnehmer" übersiedelten in die oberen Gemächer. Eine Veränderung, die nicht leicht fiel.

Der Anfang als Kleinhäusler

Mein Gatte war bis zum 29. Lebensjahr daheim am Hof beschäftigt gewesen. Für ihn war keine Krankenkasse eingezahlt worden. Nun waren wir ein Paar ohne Einkommen. Eine kleine Summe kam vom Buttergeld.

In den Flitterwochen kam ein Kompressor. Vater Reihofer mit dem Traktor. Es wurde eine Jauchegrube ausgegraben. Eine alte Ziege gab den Geist auf. Der Tierarzt konnte ihr nicht mehr helfen.

Im März ging mein Mann als Hilfsarbeiter zu einer Baufirma. Im November kam er zur Straßenmeisterei Zell. Unsere Obersten, der Bürgermeister Fürnhammer und der Pfarrer Strobl, hatten beim Land für ihn vorgesprochen. Später wurde in Zell die Straßenmeisterei aufgehoben und die Arbeiter auf Pregarten, Perg und Unterweißenbach aufgeteilt. Mein Gatte war bis zu seinem Tod bei der Straßenmeisterei Unterweißenbach. Seine Kameraden haben ihn zu Grabe getragen.

Nach der Heirat war ich eine Kleinhäuslerin. Viel Neues konnte ich beginnen. Zum Beispiel Milchliefern. Von der Molkerei Pregarten holten wir die Bewilligung. Tagtäglich kamen nun Milchkundschaften. Die übrige Milch kam an eine Sammelstelle im Ort.

Zu der Zeit war es noch lebendig Auf der Au. Es gab über dreißig Grundbesitzer, alle im „Kleinformat". Interessant war das Heuen neben so vielen Nachbarn. Es gab gegenseitige Hilfe, eine Großzügigkeit mit „Vergelts Gott!"

Im Herbst wurden von den einzelnen Häusern die Kühe mit Glockengeläute auf die Wiesen getrieben. Es war eine andere Zeit! Körperlich anstrengender. Doch die Begegnungen mit den Nachbarn freundschaftlich und herzlich. Jeder kannte die Probleme vom Nächsten.

Im ersten Jahr war ich guter Hoffnung. Darüber freuten sich unsere alten Leute.

Informationen zum Artikel:

Mein Wunsch Bäuerin zu werden

Verfasst von Cilli Lindner

Auf MSG publiziert im April 2009

In: Fleckerlteppich der Erinnerungen, Erinnerungsbücher

Der Beitrag wurde folgenden Regionen und Zeiträumen zugewiesen:
  • Ort: Oberösterreich, Mühlviertel, Bad Zell
  • Zeit: 1959 bis 1960

Anmerkungen

Die Erzählung stammt aus dem Erinnerungsbuch "Aus'n oanfachn Lebm" von Cilli Lindner, S. 118 ff.

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