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Stausee Forchtenstein

von Hildegard Jeitler

Mit diesem kleinen Stausee verbinden mich bis heute liebe Kindheitserinnerungen, aber auch nicht so gute.

Meine Eltern, vor allem mein Vater, liebten diesen See. In den späten 60ern und Anfang der 70er Jahre verbrachten meine Eltern, mein Bruder und ich in den Ferien fast jeden Samstag an diesem Ort.

Aufgestanden wurde um 6 Uhr, meine Mutter hatte am Vortag schon die Badesachen gepackt, der obligate saure Wurstsalat wurde Samstag früh noch schnell gemacht, und ab ging es um 7 Uhr Richtung Forchtenstein. Was mich natürlich nicht gefreut hat, war das frühe Aufstehen. Wer will in den Ferien schon um 6 Uhr aus den Federn?

In unserem VW-Käfer fuhren wir dann los und kamen um ca. 8 Uhr am See an. Mein Vater wollte einen ganz bestimmten Platz (interessanterweise liege ich heute auch immer auf demselben Platz wie damals), und da hieß es früh da sein. Die Decke wurde auf dem taunassen Gras ausgebreitet, mein Bruder und ich schlotterten vor Kälte, aber was sein muss, musste sein. Ausziehen, rein in die Badesachen, und gleich ab ins Wasser!

Mein Bruder hatte bis zu seinem sechsten Geburtstag schreckliche Angst vor dem Wasser. Ich nicht, aber mir wurde schnell kalt.

Schwimmen hat mir mein Vater ungefähr mit fünf Jahren beigebracht, und ich war eine richtige "Wasserratte". Meine Mutter kam oft ans Ufer, um zu sehen, ob ich blaue Lippen hatte, dann holte sie mich unter Protest aus dem Wasser. Ich spürte die Kälte kaum, wollte nur schwimmen und das Wasser spüren.

Auf dem Sprungturm war ich nie, reinspringen war nicht meine Sache. Aber mit meinem Vater den See auf und ab schwimmen war schön. Meine Mutter konnte nie richtig gut schwimmen und hatte Angst vor dem Wasser. So mussten wir Kinder als Schwimmpartner für Papa herhalten. Oft war es lustig, manchmal auch nicht. Mein Vater erwartete immer gute Leistung und keine Angst. Er vergaß oft, dass wir ja noch kleine Kinder waren.

Jugendliche leicht bekleidet in aufreizender Pose an einem Badesee
Am Stausee Forchtenstein (um 1974)

Später, als ich Kinder hatte, fuhren wir als Familie oft an diesen See. Meinem Mann war er immer zu klein, aber ich liebte den kleinen See mit den hohen Bäumen und den grünen Wiesen.

Jetzt, wo alle Kinder groß und ausgeflogen sind, fahre ich im Sommer meistens ein- oder zweimal alleine auf den Stausee. Ich genieße die Ruhe an einem Mittwochnachmittag; es sind fast keine Leute da, nur Libellen und ein paar Insekten. Die Sonne bricht sich durch die hohen Baumwipfel, ich hole mir einen roten "Spritzer", lese in einem Buch und bin glücklich!

Informationen zum Artikel:

Stausee Forchtenstein

Verfasst von Hildegard Jeitler

Auf MSG publiziert im Oktober 2010

In: Orte der Kindheit

Der Beitrag wurde folgenden Regionen und Zeiträumen zugewiesen:
  • Ort: Burgenland, Nord, Forchtenstein
  • Zeit: 1960er Jahre, 1970er Jahre, 2000er Jahre

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