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Das Båckkathl

von Rosa Schön

Als ich in Südmähren im Arbeitsdienst war, passierte mir ein Missverständnis. Ich hatte gerade vom Brunnen Wasser geholt und war mit zwei Kübeln Wasser auf dem Weg vom Hof zum „Wåssabangl“ [Wasserbankl]. Man rief mir etwas zu, aber beim Hinaufstellen der Kübel hatten die Henkel gescheppert, so habe ich die ersten Worte nicht genau gehört und verstand nicht, was man eigentlich von mir wollte. Ich hatte nur ein Wortlaut wie „Bokkatl“ im Ohr. War das ein neuer Name für mich? Vielleicht sollte es „Kathl, påck an!“ heißen, dachte ich.

Die beiden Töchter waren gerade damit beschäftigt, den Brotteig vorzubereiten. Der Bottich, in dem der Teig geknetet wurde, war achtzig Zentimeter hoch und einen Meter breit. In der Mitte war eine Art Quirl, und daran zwei Stiele von einem Meter Länge befestigt, links und rechts einer, mit denen der Rührstab angetrieben wurde. So gingen die beiden Bauerntöchter, jede an einem Stab, im Kreis herum, und ich dachte, sie wünschten eine Ablöse. Also wollte ich einen Stiel in die Hand nehmen, doch sie sahen mich nur erstaunt an, und merkten, dass ich nicht verstand, was sie mir sagen wollten.

Ich sollte tatsächlich etwas anpacken, und zwar sollte ich das „Båckkathl“ vom Tisch hergeben. „Was ist das?“, war meine Frage, denn auch dem Tisch stand nur ein Simperl. Das war bei uns daheim im Weinviertel eine aus Stroh geflochtene, flache Schüssel, in die man den Brotlaib zum Aufgehen legte.

Bald darauf mussten wir alle zusammen herzlich lachen. So habe ich ein mir ganz fremdes Wort gelernt und die beiden Bauerntöchter auch.

Informationen zum Artikel:

Das Båckkathl

Verfasst von Rosa Schön

Auf MSG publiziert im Mai 2009

In: Worte der Kindheit

Der Beitrag wurde folgenden Regionen und Zeiträumen zugewiesen:
  • Ort: Tschechien, Mähren, Südmähren, Korolupy
  • Zeit: 1940er Jahre

Anmerkungen

Dieser Beitrag wurde nach einem Schreibaufruf der "Dokumentation lebensgeschichtlicher Aufzeichnungen" zum Thema "Alltagsgeschichte und Sprachwandel im 20. Jahrhundert" verfasst.

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