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Margarethe Lutz

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Meine Beiträge

Über mich

Ich wurde 1918 als einziges Kind eines Fabrikanten und der Tochter eines Spenglermeisters in Wien geboren. Meine Mutter starb bei meiner Geburt, und mein Vater heiratete bereits ein Jahr später auf Rat und Wunsch meiner Großmutter ein zweites Mal. Die Wahl der Stiefmutter erfolgt auf Grund einer Zeitungsanzeige, in der eine kinderliebende Frau gesucht wurde, erwies sich später aber für Mutter und Kind als mißglückt.

Äußerlich standesgemäße Erziehungsformen, aber Mangel an liebevoller Zuwendung kennzeichneten eine wohlbehütete, von keiner materiellen Not berührte, aber einsame und sprachlose Kindheit und Jugend. Dem Halbinternat des Klosters Notre Dame de Sion, folgten vier Jahre Handelsakademie, Matura, Kochschule und schließlich der Eintritt in den väterlichen Betrieb.

Ich heiratete 1938, genau ein Jahr später brach der Zweite Weltkrieg aus. Mein Mann wurde zum Militär eingezogen, ich verblieb solange in der Firma, bis infolge ständiger Intrigen die Stiefmutter meinen Platz einnahm.

Ich begann das vier Jahre währende Studium der Bildhauerei an der Akademie und beendete dieses in der Meisterklasse in den Staatsateliers im Wiener Prater.

1945 flüchteten mein Mann und ich vor den Russen nach Kaprun. Von dort kehrte ich allein nach Wien zurück, mein Vater war tödlich verunglückt, der Betrieb mußte verkauft werden, meine Stiefmutter verweigerte mir das Wohnrecht und einen Teil meines Erbes. Mein Mann und ich wohnten bei Freunden. Als Mitarbeiterin meines Professors konnte ich nun meinen Teil zur Wiedererlangung einer Wohnung beitragen. Ich arbeitete damals an der Renovierung bombenbeschädigter Figuren auf dem Dach des Parlaments und ähnlichen Objekten.

Nach der Geburt meiner beiden Töchter, 1948 und 1950, blieb ich zu Hause, habe aber in allen folgenden Jahren immer wieder weitergearbeitet. Kleinplastiken, Porträts, später aus Mangel an Platz wandte ich mich der Malerei und der Buch-Illustration zu. Ich schrieb Kriminalromane, Spukgeschichten, Gedichte und hatte mehrere Ausstellungen.

Ich war 53 Jahre verheiratet und bin seit 1990 Witwe. Ich lebe allein, meine beiden Töchter sind im Ausland verheiratet.

Zu arbeiten habe ich nicht aufgehört. Zuletzt wurde 2005 ein von mir geschaffenes Reliefporträt zum Gedenken an die Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner an deren Wohn- und Sterbehaus in der Zedlitzgasse 7 im ersten Wiener Gemeindebezirk angebracht.

Ein Ausschnitt aus meinen Kindheits- und Jugenderinnerungen sind in dem Buch „,Höhere Töchter’ und ‚Söhne aus gutem Haus’“ von Hannes Stekl 1999 im Böhlau Verlag (Buchreihe „Damit es nicht verlorengeht ...“, Band 44) herausgegeben worden.

Margarethe Lutz starb am 17. Februar 2012 im 95. Lebensjahr.

Persönliche Einträge im Autorenalbum werden nur auf Initiative und Textvorschlag der Verfasser/innen hin von der MSG-Redaktion erstellt, ergänzt oder abgeändert.