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Waren Sie ein schlimmes Kind?

Schreibaufruf vom Juni 2009

Kinder in einem Kindergarten, fünf Kinder im Porträt 1931

„Brav sein ist schwer“ und „Schlimm sein ist auch kein Vergnügen“ – so hießen zwei erfolgreiche Kinderbücher der späten 1960er und 1970er Jahre von Marlen Haushofer. Wenn solche Buchtitel irgendetwas in Ihnen anklingen lassen, dann gehören Sie wahrscheinlich zu jenen, die etwas zu unserem aktuellen Schreibaufruf beitragen könnten …

Ihre persönlichen Erinnerungen sind gefragt

Wir interessieren uns für lebensgeschichtliche Erfahrungsberichte oder ausführlichere autobiographische Texte, in denen das „Schlimmsein“ (im weitesten Sinn) ein Thema ist.

  • Was haben Sie in Ihrer Kindheit und Jugend so alles angestellt, was Erwachsene als „frech“, „unartig“, „boshaft“, als „Sünde“ oder einfach als „blöd“ oder „pfui“ bezeichneten? Mit welchen Geboten oder Verboten kamen Sie denn am häufigsten in Konflikt, und was waren die Hauptschauplätze Ihrer „unanständigen“ Aktivitäten? Geben Sie uns einen kleinen Einblick in Ihr persönliches „Sündenregister“ (das meiste sollte ja ohnehin schon verjährt sein …)!
  • Wie haben Erwachsene (Eltern, Nachbarn, „Tanten“ und Lehrer/innen aller Art) auf Ihre „Untaten“ reagiert? Auf welche Weise wurden Sie bestraft, wenn Sie etwas „ausgefressen“ hatten, und wie haben Sie verschiedene Formen von Disziplinierungen – womöglich sogar am eigenen Leib – damals empfunden?
  • Haben Sie Ungerechtigkeiten oder Unterschiede in der Behandlung (zwischen Buben und Mädchen, älteren und jüngeren Geschwistern, zwischen sich und anderen Kindern) erfahren? Wo verliefen für Sie die Grenzen des Erlaubten oder Verbotenen? Was waren absolute Tabus?
  • Falls sie eher zu den Braveren in Ihrer Familie, Schulklasse, Kindergruppe oder Jugendclique gehörten und trotzdem etwas zum Thema beitragen möchten: Auch gewohnt „brave“ Kinder können einmal aus ihrer Rolle oder „in Ungnade“ fallen, in Gewissenskonflikte geraten oder vielleicht fälschlicherweise einer „Untat“ beschuldigt werden. Erinnern Sie sich an eine solche Konfliktsituation? Oder schreiben Sie darüber, wie Sie weniger angepasste Kinder und ihre Bestrafung erlebt haben.

Kinder in einem Kindergarten, Gruppenfoto 1931

Wie sollen Ihre schriftlichen Erzählungen gestaltet sein?

Grundsätzlich ganz so, wie Sie möchten! Denken Sie beim Schreiben aber vielleicht ein wenig daran, was für andere Menschen (vielleicht Leidensgefährten mit ähnlich „schlimmer“ Vergangenheit) von Interesse sein könnte! Vielleicht möchten Sie auch Ihren Erziehungsverantwortlichen im Nachhinein noch so manches „ausrichten“.

Sie müssen jedenfalls nicht einzelne und schon gar nicht alle hier gestellten Fragen beantworten. Versuchen Sie vielmehr, sich möglichst intensiv in konkrete Situationen Ihrer Kindheit/Jugend zurückzuversetzen und anschaulich wiederzugeben, wie es Ihnen damals persönlich ergangen ist – äußerlich wie innerlich!

Sie sollen also nicht unbedingt über ganz ausgefallene Streiche und besonders drastische Strafen berichten oder leidvolle Erfahrungen in Form von heiteren Anekdoten zum Besten geben. Wichtig erscheint uns eher, dass Ihre kindlichen Empfindungen, Gedanken, Wünsche, Phantasien rund um Aufbegehren, Gehorsam und Strafe zum Ausdruck kommen und in Ihrer Erzählung für andere lebendig und nachvollziehbar werden.

Besitzen Sie noch alte Fotos aus Ihrer Kinder- und Jugendzeit, die Ihre erlebten Geschichten illustrieren oder Erziehungssituationen verdeutlichen können?

Erinnern Sie sich vielleicht an besondere, auch mundartliche Bezeichnungen für schlimme Kinder, für bestimmte Unartigkeiten oder bestimmte Formen der Disziplinierung? Oder gab es irgendwelche Schreckgestalten, die Sie bis in Ihre Kinderträume hinein verfolgten? Was drohte kleinen „Gfrastern“, den „Rotzbuben“ und „Lausmenschern“, die das „Stänkern“ und „Streiten“, das „Stierln“ oder „Strawanzen“, das Schulstageln“, „Schwindeln“ oder gar das „Schweinigeln“ nicht lassen konnten?

Falls Sie noch solche Ausdrücke im Ohr haben, könnten Sie mit einer dazu passenden (selbst erlebten) Geschichte obendrein unsere Rubrik „Worte der Kindheit“ bereichern.

Was soll mit den eingesandten Texten geschehen?

Ihre persönlichen Erfahrungsberichte sind auch aus erziehungswissenschaftlicher Sicht von Interesse. Die Initiatorin dieses Schreibaufrufs, Ulrike Hofstetter, hat kürzlich eine Diplomarbeit am Institut für Bildungswissenschaften der Universität Wien zum Thema „Schlimme Kinder“ abgeschlossen und dafür historische Erlebnisberichte von Schülerinnen und Schülern aus der Zwischenkriegszeit herangezogen. Auf diesem Weg erhofft sie sich zahlreiche weitere Einblicke in Alltags- und Erfahrungswelten von Kindern aus späterer Zeit.

Ihre Einsendungen zu diesem Schreibaufruf werden vorerst von uns gesammelt und – wenn Sie dies möchten – auf Menschen Schreiben Geschichte veröffentlicht. Später soll auch ein gedruckter Sammelband mit ausgewählten Beiträgen zum Thema entstehen.

Weitere Tipps gefällig?

Falls Sie sich vor dem Schreiben noch weiter inspirieren lassen möchten: Ein Paradebeispiel eines – sogenannten – schlimmen Kindes aus längst vergangener Zeit ist im MSG-Beitrag von Franz Gsöllpointner beschrieben (siehe Erinnerungsbücher: „Als lediges Kind geboren …“)

Falls Sie Lust bekommen haben mitzumachen, orientieren Sie sich bitte nicht unbedingt an den (eher kurzen bzw. gekürzten) Geschichten, die schon auf Menschen Schreiben Geschichte veröffentlicht sind, sondern lassen Sie Ihren Erinnerungen nach Belieben freien Lauf. Längere Texte oder (auch hand- und maschinschriftliche) Einsendungen auf dem Postweg sind ebenso herzlich willkommen wie Zusendungen per E-Mail oder direkt über unser Eingabeformular auf Menschen Schreiben Geschichte!

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