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Arbeit ist das halbe Leben …

Schreibaufruf vom Mai 2009

Vielleicht mehr als das. Und trotzdem dominieren in persönlichen Lebenserzählungen oft die Lebensphasen der Kindheit und Jugend sowie die Sphäre der Freizeit. Anscheinend wird Eindrücken und Erfahrungen aus anderen Lebensbereichen mehr Bedeutung beigemessen. Manche halten alles andere für erzählenswerter als die Lebenszeit, die man auf diesem oder jenem Arbeitsplatz verbracht hat.

Arbeit ist das halbe Leben

Wird die Arbeitswelt als zu fremd oder fremdbestimmt erlebt, um sie als wesentlichen Teil der persönlichen Lebensgeschichte zu betrachten? Oder erscheinen die Erfordernisse der materiellen Existenzsicherung nach einigen Jahrzehnten relativen Wohlstands zunehmend als banal?

Mit diesem Schreibaufruf wollen wir der tendenziellen Ausblendung der Arbeitsrealität aus dem öffentlichen Bewusstsein entgegenwirken. Wir wollen persönliche Erzählungen und Erfahrungsberichte sammeln, um aus der alltäglichen und subjektiven Erzählperspektive der Betroffenen Einblicke in historische Veränderungen des Arbeitsalltags und in die Art und Weise ihrer individuellen Bewältigung zu gewinnen.

Dabei interessieren uns Erinnerungen aus allen Berufsgruppen und Tätigkeitsbereichen: von Bauarbeitern ebenso wie von Hausfrauen, von Angestellten wie von Selbständigen, von Leiharbeitskräften und Saisonarbeiterinnen wie von Beamten. Taxilenker werden anderes zu berichten haben als (ehemalige) Land- oder Textilarbeiter/innen; internationale Berufskraftfahrer haben andere Probleme als neu zugewanderte Hausgehilfinnen oder Krankenpfleger/innen.

Weiter zurückliegende Erfahrungen sind ebenso berichtenswert wie Erlebnisse aus der jüngsten Vergangenheit. Gefragt sind – zumindest in wichtigen Ausschnitten – Ihre ganz persönlichen Erinnerungen an die eigene Berufslaufbahn, vom Beginn der Lehrzeit oder der ersten Anstellung bis zum Pensionsantritt.

Inhaltliche Ansatzpunkte könnten sein:

  • Wenn Sie an die Zeit Ihrer Kindheit und Jugend denken: Wie wurde in Ihrer Familie der Lebensunterhalt bestritten?
  • Wie verliefen bei Ihnen „Berufsfindung“ und der Eintritt ins Berufsleben? Was waren Ihre ersten Eindrücke vom sogenannten „Ernst des Lebens“?
  • Können Sie aus eigenem Erleben noch etwas über die Neuorganisation der Arbeitswelten in den ersten Nachkriegsjahrzehnten erzählen?
  • Beschreiben Sie Ihre hauptsächliche berufliche Tätigkeit oder einen Arbeitsplatz, an dem Sie lange tätig waren, vielleicht auch ganz besondere Erfahrungen gemacht haben.
  • Oder konzentrieren Sie sich umgekehrt auf Stellenwechsel, auf übergänge, Richtungsänderungen, Unregelmäßigkeiten oder Schaffenspausen in Ihrer beruflichen Laufbahn!
  • Nicht zu vergessen der Bereich der Haus- bzw. Reproduktionsarbeit, der vor 50 Jahren noch ganz andere Anforderungen stellte als heute! Was hat sich in Ihrem Haushalt verändert und wie kamen/kommen Sie mit Doppel- und Mehrfachbelastung zurecht?
  • Schließlich könnte der Schritt aus dem aktiven Erwerbsleben in die Alterspension ein Anlass sein, um das eigene Leben davor und danach nochmals eingehender zu beleuchten.

Grundsätzlich freuen wir uns über jeden Beitrag, der charakteristische Einblicke in eine bestimmte Arbeitswelt oder in die persönliche Bewältigung beruflicher Herausforderungen gibt. Umfang und Detailgenauigkeit Ihrer Erzählung bleiben ganz Ihnen überlassen. Fotografische und andere Illustrationen sind willkommen aber keine Bedingung!

Texte oder Materialien zum Thema können auch an unsere Postanschrift geschickt werden:

Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Universität Wien
Dokumentation lebensgeschichtlicher Aufzeichnungen

Dr.-Karl-Lueger-Ring 1, 1010 Wien

Dieser Schreibaufruf beruht auf einer Kooperation der Dokumentation lebensgeschichtlicher Aufzeichnungen an der Universität Wien mit dem Institut für Gewerkschafts- und AK-Geschichte an der Arbeiterkammer Wien. Eingesandte Beiträge werden in der Dokumentation lebensgeschichtlicher Aufzeichnungen an der Uni Wien gesammelt und auf www.Menschen Schreiben Geschichte.at veröffentlicht.

Eine Auswahl ausführlicherer Erzählungen zum Thema erscheint im Frühjahr 2012 in dem gedruckten Sammelband „Arbeit ist das halbe Leben. Erzählungen vom Wandel der Arbeitswelten seit 1945“, herausgegeben von Sabine Lichtenberger und Günter Müller.

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