Sie sind hier:
  1. Startseite >
  2. Schreiben > 5 Schreibaufrufe: Information zum Schreibaufruf „Wie war Wien?“

Schreibaufruf vom Februar 2005

Erzählen Sie ein wenig über das alltägliche Treiben und Ihre persönlichen Erlebnisse auf den Gassen, Gstätten und Grünflächen, in den Häusern und Hinterhöfen Ihrer Heimatstadt! Beschreiben Sie einige Eindrücke und Begebenheiten aus Ihrer Kindheit und Jugend, aus der Kriegs- und Nachkriegszeit, aus den 1950er, 1960er, 1970er-Jahren bis herauf in die Gegenwart!

Erinnerungen sind eine Form von Kulturgut einer Gesellschaft und ein Bindeglied zwischen den Generationen. Deshalb hat die Kulturabteilung der Stadt Wien (MA 7) gemeinsam mit der Dokumentation lebensgeschichtlicher Aufzeichnungen an der Universität Wien in den Jahren 2003/04 das Projekt „Wie war Wien? Bürger/innen schreiben Geschichte“ gestartet. Dadurch soll erlebte Geschichte bewahrt und mitgeteilt; gesellschaftliche Veränderungen sollen bewusst gemacht und Materialien für künftige Bildungs-, Kultur- und Forschungsprojekte gewonnen werden.

Eine kleine Auswahl aus den schriftlichen Ergebnissen dieses Kooperationsprojekts wird auf www.Menschen Schreiben Geschichte.at vorgestellt und soll in dieser Form weiterhin Menschen zum Festhalten und Weitergeben eigener Erinnerungen anregen.

Zwei in die Kamera lächelnde Kinder, sich an den Händen haltend

Wie war’s anderswo?

Auch wenn Sie nicht in Wien leben oder aufgewachsen sind, können Sie sich beteiligen und sich von diesen Schreibanregungen inspirieren lassen. Ortsbezogene Erinnerungstexte (aus dem gesamten deutschsprachigen Raum und darüber hinaus) werden laufend in der MSG-Rubrik „Orte der Kindheit“ veröffentlicht. Mit Ihrer aktiven Unterstützung und Anteilnahme werden sich die persönlichen Kindheitsimpressionen im Lauf der Zeit zu einer vielfältigen „Erinnerungslandschaft“ verdichten.

Was wird gesammelt? Was können Sie beitragen? Worüber sollen Sie schreiben?

Einige Anhaltspunkte:

  • Erzählungen zu Bildern: Nehmen Sie sich ein Fotoalbum zur Hand und suchen Sie sich ein altes Foto aus, das Sie an einen bestimmten Ort / ein Gebäude / ein Geschäftslokal usw. erinnert! Erzählen Sie, welche Erlebnisse und Empfindungen Sie mit diesem Foto bzw. diesem Ort verbinden! Lassen Sie dabei Ihre Gedanken schweifen und halten Sie Ihre Eindrücke/Erinnerungen möglichst detailreich fest!
  • Wegbeschreibungen: Lassen Sie Wege, die Sie früher oft zurückgelegt haben, im Geiste noch einmal Revue passieren: den Schulweg, den Weg zur Arbeit, Spaziergänge, Ausflüge, Besuche bei Verwandten. Wo blieben Sie gerne stehen? An welchen Geschäften und anderen charakteristischen Orten (Auslagen, Schilder, Straßenecken, Parks, Gstätten, Wirtshäusern usw.) kamen Sie vorbei? Welche Orte / Wege / Gegenden waren für Sie eher mit einem unguten Gefühl verbunden? Erinnern Sie sich vielleicht an typische, immergleiche Gerüche und Geräusche? An dunkle und helle Gassen und Plätze?
  • Stadtspaziergang: Wenn Sie keine Fotos von den Orten Ihrer Kindheit und Jugend besitzen, dann machen Sie doch einen „Lokalaugenschein“ und sehen Sie sich an, was aus „Ihrem“ Grätzel, aus „Ihrem“ Park oder Ihrem Stammbeisel geworden ist! Vor Ort kommen Ihre Erinnerungen sicherlich in Bewegung! Machen Sie einen Spaziergang durch die kleinen Welten Ihrer Kindheit und bringen Sie zu Papier, was Ihnen dabei durch den Kopf geht! Er-gehen Sie sich in Reminiszenzen und er-fahren Sie unmittelbar die Diskrepanzen zwischen einst und jetzt!
  • Fensterblick / Hofblick / Lieblingsorte: Der Blick aus dem Fenster oder von einem Balkon hinunter auf die Gasse (oder einen Innenhof) ist für viele Menschen – Kinder wie alte Leute – ein bleibender Eindruck. Eine bestimmte Parkbank, ein Aussichtspunkt, eine Straßenecke mit gewissen Fixpunkten des städtischen Alltagslebens oder andere Lieblingsorte könnten Sie genauso festhalten wie all das, was Sie persönlich an bestimmten Orten erlebt haben.
  • Stadtteilerinnerungen / -namen: Frühere Namen ganzer Stadtviertel sind heute kaum mehr bekannt: Auf der Laimgrube, Am Hundsturm usw. Haben Sie eine persönliche Beziehung zu einem solchen Stück „Altes Wien“. Können Sie etwas erzählen über Gegenden wie das „Brettldorf“, den „Ratzenstadel“, das „Negerdörfl“, über die „Krim“ oder die „Kreta“? Wie lebte man damals in der „Gogerau“, in der „Brä“ oder auf der „Mazzesinsel“?
  • Wo verliefen soziale Grenzen durch die Stadt? Gab es charakteristische Unterschiede, etwa zwischen den Bewohner/innen von Wieden und Margareten, zwischen Floridsdorf und dem Rest der Stadt, zwischen alteingesessenen und neu zugewanderten Wienerinnen und Wienern? Wo (und wie) lebten Menschen, mit denen Sie als Kind, als Jugendliche/r nichts zu tun haben wollten oder durften? Wo fühlten Sie sich wirklich zu Hause? Wann und wodurch begannen sich die Grenzen Ihres Lebensraums im Grätzel zu erweitern?
  • Erinnerungsbörse: Erinnern Sie sich an irgendwelche kleine Details des städtischen Alltags, die sonst niemand in Ihrem Bekanntenkreis mehr weiß und Ihnen bestätigen kann? An etwas, das so unwahrscheinlich klingt, dass es Ihnen niemand glauben will? An Geschäfte, Menschen usw., die Sie aus den Augen verloren haben, die plötzlich aus dem Stadtleben verschwunden sind, und über deren weiteres Schicksal Sie gerne mehr erfahren würden? Senden Sie uns Ihre persönlichen Erinnerungsstücke, Erinnerungsfragmente und auch Erinnerungslücken in Form von kurzen Geschichten an die MSG-Erinnerungsbörse! Vielleicht kann und möchte sie jemand mit Ihnen teilen oder Ihre Erinnerungen vervollständigen?

Gesucht sind also …

  • schriftliche Aufzeichnungen, Fotos und andere Materialien, die über historische (städtische oder ländliche) Lebenswelten Aufschluss geben können: Impressionen von Orten der Kindheit, Erinnerungen an die Freiräume und Grenzen der Jugendzeit, an berufliche wie private Umgebungen, in denen sich das Erwachsenenleben hauptsächlich abspielt(e), und an die wieder enger werdenden Lebenskreise im Alter.
  • Beiträge aus allen Alters- und Bevölkerungsgruppen. Schulkinder haben eine ganz andere Wahrnehmung von ihrer Umwelt als ältere Menschen, Berufstätige bewegen sich mehrheitlich in anderen städtischen Räumen und Verkehrsmitteln als Arbeitslose. Auch Frauen und Männer nutzen Einrichtungen in unterschiedlicher Weise, und natürlich haben Bewohner/innen der Siedlungen am Stadtrand ein ganz anderes Bild von Wien als Bewohner/innen einer zentral gelegenen Altbauwohnung. Besonders wichtig wäre es uns auch, Beiträge von Menschen zu bekommen, die als Arbeiter, Handwerker, öffentlich Bedienstete unmittelbar am ständigen Umbau bzw. an der Erhaltung der Stadt beteiligt sind oder waren.
  • persönliche Erinnerungen an Straßen, Gassen, Plätze, Parks und Gebäude der Stadt, zum Beispiel:
    • an öffentliche, private und halböffentliche Räume (wie Stiegenhäuser, Innenhöfe, Passagen u.Ä.) und natürlich an die Menschen, die sich in ihnen bewegen;
    • an die vielfältige Nutzung von Räumlichkeiten in Häusern, vom Keller bis zum Dach
    • an Arbeitsplätze und Freizeitsphären;
    • an belebte und menschenleere, helle und dunkle, laute und leise Orte der Stadt;
    • an das Erscheinungsbild der Stadt zu bestimmten Tages- und Jahreszeiten.

Je mehr (auch nebensächlich erscheinende) Details einer bestimmten Lebensumgebung Sie in Ihrer Erinnerung wachrufen und wiedergeben können, desto interessanter und aufschlussreicher wird Ihre Erzählung für andere Personen sowie für stadt- und alltagsgeschichtliche Forschungen sein!

Texte oder Materialien zum Thema können auch an unsere Postanschrift geschickt werden:

Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Universität Wien
Dokumentation lebensgeschichtlicher Aufzeichnungen

Dr.-Karl-Lueger-Ring 1, 1010 Wien

Dieser Schreibaufruf beruht auf einem Kooperationsprojekt der Dokumentation lebensgeschichtlicher Aufzeichnungen an der Universität Wien mit der Kulturabteilung der Stadt Wien (MA 7), Referat Wissenschafts- und Forschungsförderung. Eingesandte Beiträge werden in der Dokumentation lebensgeschichtlicher Aufzeichnungen an der Uni Wien archiviert und auf www.Menschen Schreiben Geschichte.at veröffentlicht.

Beitrag schreiben